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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Eröffnung der Ausstellung "Bernd Eichinger - ... alles Kino"

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Donnerstag, 27. Juni 2013

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Liebe Katja Eichinger, liebe Nina Eichinger, lieber Tom Tykwer, lieber Rainer Rother, meine Damen und Herren,

in den nächsten 3 Monaten würdigt die Stiftung Deutsche Kinemathek mit Bernd Eichinger eine Legende des deutschen Films. Dass sie dabei aus dem Vollen schöpfen kann, ist allein Katja und Nina Eichinger zu verdanken, die der Stiftung seinen wertvollen persönlichen Nachlass anvertraut haben. Liebe Katja, liebe Nina Eichinger, damit haben Sie großes Vertrauen in die Deutsche Kinemathek gesetzt, die zu meinem Verantwortungsbereich gehört – das deutsche und internationale Filmerbe wird dadurch wesentlich bereichert. Wir danken Ihnen von Herzen!

Die Sammlung Bernd Eichinger befindet sich unter anderem mit dem Nachlass von Marlene Dietrich und auch den wertvollen "Vorlässen" von Sir Ken Adam und Werner Herzog in bester Gesellschaft. Einen größeren Vertrauensbeweis renommierter Filmschaffender in die Kompetenz des Hauses, lieber Rainer Rother, kann es wohl kaum geben!

Bis zum Herbst 2013 wird den Besuchern nun die Möglichkeit geboten, der Persönlichkeit von Bernd Eichinger und seinem einzigartigen Schaffen ein Stück näher zu kommen, Erinnerungen wieder aufleben zu lassen und vielleicht auch ganz neue Eindrücke zu gewinnen. Es ist sicher ganz im Sinn von Bernd Eichinger, dass die Ausstellung ab Oktober dann in seiner Heimatstadt München zu sehen sein wird.

Bernd Eichinger war einer der ganz Großen des Filmgeschäfts. Er war Filmproduzent, Filmverleiher, Drehbuchautor und Regisseur in Einem – ein echter Tausendsassa, wenn man so will. Er sagte einmal: "Ich will es gut machen. Ich möchte das richtig gut machen. Ich habe nur ein Leben, nur eine Zeit." Bernd Eichinger hat keine Zeit vergeudet. Und er hat es richtig gut gemacht! Seine Filme begeistern und bewegen bis heute Millionen Zuschauer.

Viele von ihnen stehen auf der Liste der erfolgreichsten deutschen Filme ganz oben, wie "Der Name der Rose", "Das Parfum", oder "Der Schuh des Manitu" – der bislang mit fast 12 Millionen Kinozuschauern einsam an der Spitze liegt. Allerdings sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass Eichinger – insbesondere in den 70-er Jahren – eng mit Autorenfilmern wie Wim Wenders, Werner Herzog und Edgar Reitz zusammenarbeitete. Auch das zeigt die Ausstellung anhand von interessanten Dokumenten und Filmausschnitten.

Wie nur wenige deutsche Filmschaffende war Eichinger auch im Ausland, insbesondere in den USA, ein "Big shot", ein deutscher Tycoon. Die Auszeichnung mit dem Oscar für den von ihm produzierten Film "Nirgendwo in Afrika" ist nur ein Beispiel unter vielen für die Anerkennung, die er jenseits des Atlantiks genoss. Zahlreiche faszinierende Fotos in der Ausstellung zeigen diese Weltläufigkeit Bernd Eichingers und sind zugleich spannende Zeitdokumente.

Bernd Eichinger führte eindrücklich vor Augen, dass ein Film kommerziell erfolgreich und künstlerisch wertvoll sein kann. Ich muss sagen, ich habe es nicht verstanden, warum er nie eine Goldene Lola erhalten hat – und ich konnt seine Enttäuschung wirklich gut nachvollziehen, als ich ihm 2007 nur die Silberne Lola für "Das Parfum" überreicht habe. Aber das war die demokratische Entscheidung der Filmakademie, die er einstmals selbst initiierte.

Wir haben damals bei der Verleihung alle ja die Luft angehalten, weil es so schien, als wolle er die Lola ins Orchester werfen, das ihm bei der Dankesrede das Wort abschnitt. Das war ein typischer Ausbruch seiner Energie und seines leidenschaftlichen Temperaments, die eine Haupttriebfeder seines ungeheuren Schaffens waren! Eine Art Wiedergutmachung war die Verleihung der Lola für sein Lebenswerk 2010, die er mehr als fast jeder andere längst verdient hatte. Diese Lola-Statue, die er damals erhielt, ist auch hier in dieser Ausstellung zu sehen.

Der Schriftsteller und Regisseur Alexander Kluge sagte einmal: "Bernd Eichinger: ein großer Filmmacher, eine großherzige Seele!" – und beides stimmt. Zum einen hat Bernd Eichinger die Rolle des "Produzenten" revolutioniert. In seiner Person verband sich die kreative und künstlerische Seite des Drehbuchautors und Regisseurs mit der willensstarken Durchsetzungsfähigkeit eines starken Produzenten – ein "Filme-Macher" im wahrsten Sinne des Wortes! Er hatte zudem immer auch das Große und Ganze im Blick – und das Wohl des deutschen Films. Nicht zuletzt war er die treibende Kraft bei der Gründung der Deutschen Filmakademie.

Die Ausstellung zeigt uns andererseits aber auch die soziale, menschliche und verantwortungsbewusste Seite Eichingers. Er nutzte seine Popularität, um sich für den filmischen Nachwuchs oder aber für die Schwächeren in unserer Gesellschaft einzusetzen. Ich nenne nur die FIRST STEPS-Awards für den Filmnachwuchs, die er 1999 gemeinsam mit Nico Hofmann ins Leben rief, oder die Initiative "Artists for Kids". Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Zukunft von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu sichern und ihre Integration zu fördern. Nina Eichinger engagiert sich heute im Aufsichtsrat der "Artists" und führt damit die lobenswerte Tradition weiter.

Meine Damen und Herren,

Bernd Eichinger hat akribisch alles gesammelt und aufgehoben, was mit seinen Filmen und seinem Schaffen zu tun hatte: Kostüme, Utensilien, Fotos, Briefe bis hin zu kleinen persönlichen Notizen, die er in seiner Stammbar – "Schumanns" in München – notiert hat. All diese Dokumente legen auf faszinierende Art die Arbeits- und Denkweise eines Ausnahmeproduzenten offen, dem es gelungen ist, den deutschen Film weit in die Welt hinaus zu tragen. Die Dokumente der Sammlung Bernd Eichinger sind Teil unseres kulturellen Erbes. Rainer Rother ist schon auf den Umfang dieses wirklich beeindruckenden Vermächtnisses eingegangen.

Es ist mir ein Anliegen, dass das Filmerbe als Ganzes erhalten bleibt, und ich bin froh, dass wir in dieser Legislaturperiode wichtige Schritte wie die Pflichterfassung der gegenwärtigen Filmproduktion durchsetzen konnten.

Ich danke den Kuratoren der Ausstellung, Frau Kristina Jaspers und Herrn Peter Mänz, für ihre monatelange engagierte Arbeit und wünsche dem zweiten großen Projekt der Deutschen Kinemathek in ihrem 50. Jubiläumsjahr viel Erfolg.

Freitag, 28. Juni 2013

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