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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Eröffnung der Ausstellung "Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa"

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Donnerstag, 5. September 2013

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat in Mannheim die zentrale Ausstellung des Wittelsbacherjahres 2013 eröffnet. Diese Ausstellung mache deutlich, dass der heutige Großraum Rhein-Neckar bereits im Mittelalter eine der führenden europäischen Innovationsregionen war, sagte Neumann.

- Es gilt das gesprochene Wort.-

Anrede,

ich bin schon allein deshalb gern zu diesem herausragenden Ereignis hier nach Mannheim gekommen, weil ich mitfeiern und reden kann, ohne dass der Bund etwas bezahlt hat. Das ist ganz selten. Allerdings trägt der Bund zumindest indirekt für diesen wunderbaren Veranstaltungsort Mitverantwortung, denn er hat die Restaurierung dieses Juwels barocker Kirchenbaukunst im Laufe der Jahre in Millionenhöhe mitfinanziert.

Aber tatsächlich bin ich dem von Mannheims Bürgermeister Michael Grötsch an mich herangetragenen Wunsch, an der heutigen Eröffnung teilzunehmen, nachgekommen, um die Leistung all derjenigen, die am Zustandekommen dieser hochrangigen Ausstellung über "Die Wittelsbacher am Rhein" mitgewirkt haben, zu würdigen und anzuerkennen.

Es ist vorbildlich, dass die drei Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen nun zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren, nach den Staufern 2010 mit fast einer Viertelmillion Besuchern, eine große, überregionale Schau auf die Beine stellen.

Eine berühmte Tochter der Region, Liselotte von der Pfalz, stellte vor über 300 Jahren fest: "Es ist schwer, in großen Weltgeschäften ein ruhiges Gewissen zu behalten". Der Satz der klugen, weltläufigen wie ebenso bodenständigen Kurpfälzerin gilt bis heute.

Gerade angesichts der Herausforderungen der Gegenwart, durch Globalisierung mit zunehmender Orientierungslosigkeit ist es immer wieder ratsam, sich der Historie zuzuwenden und aus dem Glanz und dem Gelingen, aber auch aus den Fährnissen und Fehlschlägen zu lernen. Vielfältig ist die fast 600-jährige Geschichte, während der die Wittelsbacher die Pfalzgrafschaft bei Rhein regierten – Herr Oberbürgermeister ist in seiner Rede ja bereits ausführlich darauf eingegangen.

Im Laufe der Jahrhunderte wuchs ein immenser Schatz an Kunst und Kultur. Ich denke da zum Beispiel an die berühmte Ottheinrich-Bibel, die erste, reich mit Bildern verzierte Übersetzung des Neuen Testaments in die deutsche Sprache – eine der kostbarsten Handschriften der Welt!

Der Bund konnte vor fünf Jahren gemeinsam mit einer schlagkräftigen Koalition aus weiteren Förderern verhindern, dass sie ins Ausland verkauft wurde – und so ein einzigartiges Zeugnis des Kunstsinns und der Gelehrsamkeit der pfälzischen Wittelsbacher für unsere Kulturnation retten.

Dass sie sich nun in der Bayerischen Staatsbibliothek in München befindet, erscheint mir vor dem Hintergrund der heutigen Ausstellungseröffnung allerdings nicht ganz gerecht. Doch Kunst und Kultur machen zum Glück nicht an Ländergrenzen halt – das gilt für Bundesländer wie für nationale Grenzen.

Der heutige Großraum Rhein-Neckar spielt nicht nur in der deutschen Geschichte und bis zur Gegenwart eine bedeutende Rolle, sondern war bereits im Mittelalter eine der führenden europäischen Innovationsregionen. Die heutige Identität und die Attraktivität verdankt sie ganz wesentlich ihrem Reichtum an Kulturschätzen – neben der bedeutenden wirtschaftlichen Kraft, wobei das eine das andere bedingt. Kunst und Kultur sind klare Standortvorteile!

Es ist ein großes Verdienst der Ausstellung, die wir heute hier in Mannheim eröffnen – sowie auch der Schauen an den weiteren Ausstellungsorten in Hessen und Rheinland-Pfalz –, das Erbe der Wittelsbacher und seine Bedeutung für Europa zu erschließen.

Eine Art Lackmus-Test für den Erfolg der Ausstellung wird es sein, wenn die weiß-blauen Rauten der Wittelsbacher am Ende nicht mehr nur allein mit Bayern in Verbindung gebracht werden!

Ein Erfolgsgarant ist dabei schon die Federführung der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Sie gehören zu den führenden kulturhistorischen Museen unseres Landes. In der Vergangenheit hat es bereits mehrere hervorragende Kooperationen mit dem Martin-Gropius-Bau in Berlin gegeben, der von meinem Haus finanziert wird. Ich erinnere hier nur an die Ausstellung „Ursprünge der Seidenstaße“ 2008, die sowohl in Mannheim als auch in Berlin ein wahrer Publikumsmagnet war.

Derzeit läuft im Berliner Pergammonmuseum eine Ausstellung über die antike Stadt Uruk, die die Staatlichen Museen Berlin gemeinsam mit den Reiss-Engelhorn-Museen entwickelt haben – ein Riesenerfolg!

Immer wieder fließen Fördergelder des Bundes , verehrter Herr Oberbürgermeister, hier nach Mannheim – nicht nur an die Reiss-Engelhorn-Museen, sondern auch für andere faszinierende Kulturprojekte wie die derzeitige Ausstellung „Nur Skulptur!“ der Kunsthalle Mannheim oder für die Unterstützung des Internationalen Filmfestivals Mannheim/Heidelberg sowie die Internationalen Schillertage; eine Förderung, die ich persönlich für dauerhaft erklärt habe.

Die "Quadratestadt" hat ein reiches kulturelles Erbe, wie auch faszinierende Kulturprojekte, die zu pflegen sind und lebendig bleiben müssen – der Bund wird auch in Zukunft dazu beitragen.

Deutschland zeichnet sich durch einen besonderen kulturellen Reichtum aus, der historisch bedingt und über Jahrhunderte gewachsen ist. Der Erhalt und die Vermittlung dieser kulturellen Vielfalt ist eine große Aufgabe. Die Länder und Kommunen tragen aufgrund ihrer vom Grundgesetz festgeschriebenen Kulturhoheit den Löwenanteil der Kulturförderung. Dennoch ist die Förderung des Bundes ein bedeutender und nicht mehr wegzudenkender Baustein. Und das wird so bleiben, darauf können Sie sich verlassen.

Ich wünsche den Ausstellungen und dem gesamten Wittelsbacher Festjahr grenzenlosen Erfolg – im wahrsten Sinne des Wortes!

Donnerstag, 5. September 2013

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