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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Eröffnung des 50. Theatertreffens

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Freitag, 3. Mai 2013

Das Theatertreffen in Berlin feiert 50. Geburtstag. "Das Theatertreffen ist immer ein Krisengipfel gewesen," erklärte Neumann zur Eröffnung. Es habe sämtliche Theaterkrisen und Verschiebungen der vergangenen fünfzig Jahre nicht nur überlebt, sondern dokumentiert, präzisiert und überhöht.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Anrede,

sind 50 Jahre für ein Theaterfestival eine lange Zeit? Das kommt auf die Betrachtung an! Verglichen mit Bayreuth (137 Jahre alt) oder Salzburg (93 Jahre alt) ist das Berliner Theatertreffen ein junger Wilder. Verglichen mit dem Alter unseres Intendanten Thomas Oberender, der erst vor 46 Jahren das "Licht der Welt" erblickte, entspricht das Festival einem Herrn in den besten Jahren! In jedem Fall hat sich das Theatertreffen durch Wandel und Veränderung bis heute aktuell und lebendig erhalten; es hat seine herausragende Stellung als Seismograph zeitgenössischen Theaters nicht verloren.

Seit 1964 pilgern alljährlich Intendanten, Regisseure, Schauspieler, Kritiker nach Berlin zu diesem bedeutendsten Schaufenster des deutschsprachigen Theaters, um die Stücke zu sehen, sich auszutauschen und sich über die Juryauswahl entweder zu begeistern oder zu erregen – das hat Tradition. Der Tagesspiegel von heute hat es trefflich formuliert: "Das Theatertreffen ist immer ein Krisengipfel gewesen. Es hat sämtliche Theaterkrisen und Verschiebungen der vergangenen fünfzig Jahre nicht nur überlebt, sondern dokumentiert, präzisiert, überhöht." Und weil die erkorenen zehn so genannten "bemerkenswertesten Inszenierungen" stets auch auf ein großes Zuschauerinteresse stoßen, können wir uns über Auslastungszahlen von fast 100% freuen.

Die Attraktivität des Theatertreffens ist ein Zeichen für die Vitalität und Innovationskraft des deutschsprachigen Theaters. 140 öffentlich geförderte Theater in Deutschland hatten in der Spielzeit 2010/2011 rund 21 Millionen Besucher. Über 3.000 Premieren wurden gezeigt, über die Hälfte aller Produktionen auf den Spielplänen sind Neuinszenierungen. Ich glaube kaum, dass vergleichbare Zahlen auch in anderen Ländern zu finden sind. Die Vielfalt der deutschen Theaterlandschaft insgesamt ist weltweit einmalig und ein Schatz, auf den die Kulturnation Deutschland wahrhaft stolz sein kann.

Die Theater sind Stätten des gesellschaftlichen Lebens, Orte, wo wir uns spielerisch mit politischen oder menschlichen Grundfragen auseinandersetzen können. Dies darf nicht durch unbedachte und kurzsichtige Sparauflagen gefährdet oder kaputtgemacht werden!

Heute vor einem Jahr demonstrierten auch hier die Studenten der Hochschule für Schauspielkunst für ihre Einrichtung. Ich hatte mich damals mit diesen solidarisiert, aber nicht nur solidarisiert, sondern habe dafür gesorgt – obwohl es nicht Sache des Bundes, sondern Berlins ist –, dass der Hochschule im Bundeshaushalt 2013 850.000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt wurden.

Das Theatertreffen mit seiner Auswahl der bemerkenswertesten Inszenierungen deutsch-sprachiger Bühnen hat für die Kultur unseres Landes nationale Bedeutung. Deshalb unterstützt der Bund es seit 2004 finanziell und wird dieses auch in Zukunft tun! Seit 9 Jahren also fördern wir über die Kulturstiftung des Bundes dieses einmalige Festival mit jährlich 1,5 Millionen Euro! Die Kulturstiftung hat die Wandlung des Theatertreffens ebenso klug wie umsichtig begleitet. Dafür möchte ich Hortensia Völckers, der Künstlerischen Leiterin der Kulturstiftung, sehr herzlich danken. Mein Dank gilt aber auch dem Leitungsteam der Berliner Festspiele, Thomas Oberender und Yvonne Büdenhölzer, die beim Theatertreffen nun zum zweiten Mal kompetent und leidenschaftlich "Regie führen".

Damit erkläre ich das Theatertreffen 2013 für eröffnet.

Montag, 6. Mai 2013

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