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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Eröffnung des Memoriums Nürnberger Prozesse

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Sonntag, 21. November 2010
Ort:
Nürnberger Justizgebäude

"Das Memorium Nürnberger Prozesse ist der erste Erinnerungsort, der die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit in einer Dauerausstellung am authentischen Ort des Geschehens dokumentiert." so Staatsminister Bernd Neumann in seiner Rede im Nürnberger Justizgebäude.

- Es gilt das gesprochene Wort. -
 
Anrede,

fast genau 65 Jahre nach dem Beginn der Gerichtsverhandlungen gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof eröffnen wir heute das Memorium Nürnberger Prozesse. Der Schwurgerichtssaal 600, in dem immer noch Recht gesprochen wird, steht zusammen mit der Dauerausstellung in diesem Justizgebäude symbolisch für das Ende des nationalsozialistischen Terrorregimes und den Beginn seiner Aufarbeitung.

Im Schwurgerichtssaal 600 wurden der weltweiten Öffentlichkeit erstmals die Ausmaße der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik, die 60 Millionen Menschenleben forderte, vor Augen geführt. Der Internationale Gerichtshof klagte die nationalsozialistischen Machthaber an, den Zweiten Weltkrieg als „Angriffskrieg“ begonnen und geführt zu haben. Sie, verehrter Herr Ferencz - Zeitzeuge und Mitgestalter der Nürnberger Prozesse -, haben diesen Anklagepunkt als die größte Leistung bezeichnet. Das Internationale Gericht brandmarkte zudem die unvorstellbare Grausamkeit und erschreckende Systematik der nationalsozialistischen Rassenpolitik als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Mit den beiden erstmals erhobenen Anklagepunkten schufen die Nürnberger Prozesse die Grundlage des modernen Völkerrechts: Kein Staat, keine Regierung und kein Souverän steht über dem Recht.

Meine Damen und Herren,
dem Erinnern und der Aufarbeitung der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes und dem Gedenken an seine Opfer kommt in der deutschen Erinnerungskultur jetzt und für alle Zeiten eine hohe Bedeutung zu. Beides sind gesellschaftliche, aber auch nationale Aufgaben.

Deshalb ist der Bund seiner historischen und nationalen Verpflichtung nachgekommen und hat sich mit 2,1 Mio. Euro bei der Realisierung des Memoriums engagiert – die Beiträge des Landes Bayern und der Stadt Nürnberg kommen hinzu. Die Kooperation zwischen Stadt, Land und Bund, die bei historischen Projekten von nationaler Bedeutung der Idealfall ist, hat einmal mehr in Nürnberg einen außergewöhnlichen Erinnerungsort ermöglicht. Bereits 2001 wurde durch das gemeinsame finanzielle Engagement die Eröffnung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ermöglicht.

Dieses Dokumentationszentrum verdeutlicht wie kein anderer authentischer Ort die gigantische Propagandamaschinerie und den Größenwahn des Nationalsozialismus. An dem Engagement des Bundes hier in Nürnberg und der guten Kooperation zwischen Bund, Land und Stadt hat der Bundesminister a. D. Oskar Schneider einen wesentlichen Anteil.

Das Memorium Nürnberger Prozesse ist der erste Erinnerungsort, der die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit in einer Dauerausstellung am authentischen Ort des Geschehens dokumentiert. Aber auch an anderen Stellen in Deutschland wird die Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur fortgesetzt. So werden z. B. die von mir verantworteten Einrichtungen wie die Stiftung Topographie des Terrors, die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz im nächsten Jahr mit Bundesmitteln gemeinsam eine große Ausstellung in Berlin zum 50. Jahrestag des Eichmannprozesses veranstalten.

Die Stadt Nürnberg war durch die Reichsparteitage und die so genannten Nürnberger Rassegesetze eng mit der NS-Diktatur  verbunden. Aber in Nürnberg fand eben auch mit den „Nürnberger Prozessen“ die Geburtsstunde des modernen Völkerstrafrechts statt. Wie an keinem zweiten Ort treffen somit Ausgangspunkte und Formen der Nazi-Diktatur mit ihrer Aufarbeitung und Überwindung an authentischen Orten zusammen.

Damit ist Nürnberg ein Erkenntnisort, an dem sich auf einmalige Weise auch ein verantwortlicher Umgang mit der Geschichte manifestiert. Deshalb habe ich viel Sympathie für den Initiativkreis „Welterbestadt Nürnberg“, der sich zum Ziel gesetzt hat, Nürnberg und den Schwurgerichtssaal 600 als historischen Ort mit seiner herausragenden Bedeutung für die Entwicklung eines modernen Völkerstrafrechts in das Welterbe der UNESCO aufzunehmen.

Ich wünsche dem Memorium Nürnberger Prozesse viele, vor allem junge Besucher.

Sonntag, 21. November 2010

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