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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Verleihung des Franz-Hessel-Literaturpreises

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Freitag, 10. Dezember 2010

Bei der erstmaligen Verleihung des Franz-Hessel-Preises im Rahmen des deutsch-französischen Ministerrates am 10.12.2010 in Freiburg unterstrich Kulturstaatsminister Bernd Neumann den Stellenwert, den der kulturelle Dialog für beide Länder hat.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich begrüße Sie im Namen der Bundesregierung zur ersten Verleihung des neu geschaffenen deutsch-französischen Literaturpreises hier in Freiburg. Mein Amtskollege Frédéric Mitterand und ich sind uns als Schirmherren bewusst, dass eine solche Preisverleihung im Rahmen des deutsch-französischen Ministerrats etwas ganz Besonderes ist. Sie unterstreicht, den Stellenwert, den der kulturelle Dialog für unsere beiden Länder hat. Er ist das Fundament der deutsch-französischen Verständigung.

Uns verbinden Jahrhunderte eines bereichernden, zuweilen kontroversen, stets jedoch engen Austausches. Die „République des lettres“ und das „Land der Dichter und Denker“ waren und sind füreinander unverzichtbar. Romain Rolland hat dies einmal in ein schönes sprachliches Bild gefasst:  Frankreich und Deutschland sind die beiden Flügel des Abendlands. Wir haben den deutsch-französischen Literaturpreis bewusst nach einem Autor benannt, der sich mit diesem Flügelpaar wunderbar in die Höhen der Literatur zu erheben verstand: Franz Hessel. Er wurde in Stettin geboren und erlebte als junger Mensch aufregende Zeiten in der Schwabinger Boheme.

Da er viele glückliche Jahre seines Lebens in Paris und Berlin verbrachte, war er mit der französischen und deutschen Kultur und Sprache bestens vertraut. Das nationalsozialistische Regime hat diesem außergewöhnlichen Künstlerleben ein schreckliches Ende gesetzt: 1941 starb er, nach mehrmonatiger Internierung, im provençalischen Sanary-sur-Mer, dem Fluchtort so vieler deutscher Exilanten. Es ist mir eine große Ehre, Franz Hessels Sohn Stéphane Hessel – selbst eine überragende Persönlichkeit der Zeitgeschichte und ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit und Frieden – heute hier begrüßen zu können! Wir treffen uns ja in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal.

Im Sommer waren Sie schon in in der Stiftung Genshagen Gast einer internationalen Tagung zur kulturellen Bildung. Lieber Herr Hessel, vielen Dank, dass Sie heute hier sein können.

Meine Damen und Herren,
Franz Hessel war selbst Freund und Mentor junger Literaten wie Mascha Kaléko und Marianne Breslauer. Um den literarischen Dialog lebendig zu halten, ist es von großer Bedeutung, gerade zeitgenössische Nachwuchsautorinnen und -autoren zu fördern, die im Nachbarland noch nicht bekannt und noch nicht übersetzt sind.

Der Franz-Hessel-Preis wird jeweils im Wechsel in Deutschland und Frankreich verliehen; die Villa Gillet in Lyon und die Stiftung Genshagen richten ihn aus. Die Kulturministerien unserer Länder finanzieren ihn und eine zehnköpfige deutsch-französische Jury kürt die Preisträger. Der Jury ist es gelungen, mit Kathrin Röggla und Maylis de Kerangal zwei ausgezeichnete Schriftstellerinnen der Gegenwart auszuwählen, die mit ihren Werken die hohe Qualität zeitgenössischer Literatur dokumentieren. Ich hoffe, dass diese Auszeichnung dazu beiträgt, ihre Arbeiten im Nachbarland bekannt zu machen und dadurch das gegenseitige Verständnis unserer Kulturen noch mehr zu stärken und zu festigen.

Meine Damen und Herren,
der Franz-Hessel-Preis ist Teil der Agenda 2020, die dem gemeinsamen deutsch-französischen Kulturraum in Europa noch mehr Gewicht verleihen soll. Diesem Ziel dienen auch die bessere Vernetzung bei der Digitalisierung unseres Kulturerbes sowie eine Fülle von Kooperationsprojekten in den Bereichen Film und zeitgenössischer Kunst. Denn Europa ist nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsunion, sondern auch eine geistige und kulturelle. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam daran arbeiten, diese historisch gewachsene Einheit mit Leben zu füllen!

Freitag, 10. Dezember 2010

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