Navigation und Service

Inhalt

Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Wiedereröffnung des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Mittwoch, 24. April 2013

"Zahlreiche Vorhaben auf kulturellem Gebiet, insbesondere während der letzen beiden Jahre, die dem deutsch-russischen Kulturaustausch gewidmet sind, zeigen, wie eng und partnerschaftlich unsere Länder zusammenarbeiten – über alle Gräben der Geschichte hinweg." so Staatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

im Namen der Bundesregierung heiße ich Sie herzlich willkommen hier in Berlin-Karlshorst zur Wiedereröffnung des Deutsch-Russischen Museums.

Es gibt kaum einen Ort wie diesen, der so geeignet ist, um den deutsch-sowjetischen Krieg zu dokumentieren. In diesem authentischen Raum, dem Kapitulationssaal, wurde das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa besiegelt. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde in diesem Saal die Kapitulationsurkunde von Deutschland unterzeichnet. Seit 1967 bestand hier das von den sowjetischen Streitkräften betriebene Kapitulationsmuseum.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs schufen die beiden ehemaligen Kriegsgegner dann ein Novum: 1995 wurde das Deutsch-Russische Museum in gemeinsamer Trägerschaft beider Staaten eröffnet. Diese besondere Einrichtung selbst dokumentiert damit zugleich die Entwicklung von einer Erinnerung des Siegers zu einer gemeinsamen Erinnerung von Sieger und Besiegtem.

Das Deutsch-Russische Museum fühlt sich dabei in besonderem Maß der Wissenschaftlichkeit und auch der Verständigung unserer Völker verpflichtet.

Der Bund – in diesem Fall mein Ressort – finanziert das Museum und hat für die neue Dauerausstellung umfangreiche Sondermittel zur Verfügung gestellt. Lieber Herr Botschafter Grinin, mein herzlicher Dank geht an die Russische Föderation, die sich finanziell durch eine großzügige Spende an diesem wichtigen Projekt beteiligt hat!

Das Museum ist überdies, genauso wie das AlliiertenMuseum, durch einen Geschäftsbesorgungsvertrag mit unserem nationalen Geschichtsmuseum, dem Deutschen Historischen Museum hier in Berlin, verbunden.

Die neue Dauerausstellung, die wir heute eröffnen, zeigt einmal mehr, wie hervorragend dieses Pilotprojekt der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Geschichte realisiert wurde.

Die Präsentation wurde im Trägerverein und im Wissenschaftlichen Beirat des Museums mit Fachleuten aus der Russischen Föderation, der Republik Belarus, der Ukraine und Deutschland im vertrauensvollen und konstruktiven Dialog erarbeitet.

Ich konnte mich bereits eben auf einem Rundgang gemeinsam mit den Herren Botschaftern davon überzeugen, dass die Ausstellung hervorragend gelungen ist und die verschiedenen Blickwinkel ausdrücklich berücksichtigt. Äußerst interessant ist vor allem die Fülle neuer Quellenzeugnisse, die durch die Öffnung der Archive in Osteuropa erstmals zugänglich sind.

Auch die großzügig zur Verfügung gestellten Exponate aus den russischen, weißrussischen und ukrainischen Partnerinstitutionen ermöglichen andere Perspektiven auf den Zweiten Weltkrieg. Ich möchte die Herren Botschafter ausdrücklich darum bitten, den zahlreichen Leihgebern in Ihren Ländern unseren Dank zu übermitteln!

Meine Damen und Herren,
durch die Kapitulation der deutschen Wehrmacht in der Nacht des 8. Mai 1945 wurde der vom nationalsozialistischen Deutschland entfachte Krieg beendet, ein Krieg, der sich auch gezielt gegen große Teile der sowjetischen Zivilbevölkerung richtete.

Von den 27 Millionen Kriegstoten der Sowjetunion waren 14 Millionen Zivilisten.

Hier, in der Ausstellung in Karlshorst, werden nicht nur die Fakten ausgewogen dargestellt, sondern auch anhand von ausgewählten Biografien die Besucher persönlich angesprochen. Ein besonderes Merkmal der neuen Dauerausstellung ist es zudem, dass sie auch Opfergruppen des Krieges in Erinnerung ruft, die bis heute in der Öffentlichkeit weniger präsent waren. So wird das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen ebenso thematisiert wie das der Zivilbevölkerung.

Bemerkenswert ist, dass trotz der deutschen Kriegsschuld, die Ursache allen Schreckens und aller Verbrechen war, auch das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen sowie das Leid der deutschen Zivilbevölkerung dokumentiert wird.

Dies alles ist ein unveränderlicher Teil unserer Geschichte. Wir stellen uns ihr und wollen mit der Ausstellung gleichzeitig aufzeigen, wohin fanatische Ideologien und Intoleranz führen – gerade auch für die junge Generation.

Das Deutsch-Russische Museum kooperiert mit den großen Gedenkeinrichtungen unseres Landes wie dem Haus der Wannsee-Konferenz, der Topographie des Terrors, den KZ-Gedenkstätten sowie der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die alle durch den Bund gefördert werden und in die Verantwortung meines Ressorts fallen.

Meine Damen und Herren,
zahlreiche Vorhaben auf kulturellem Gebiet, insbesondere während der letzen beiden Jahre, die dem deutsch-russischen Kulturaustausch gewidmet sind, zeigen, wie eng und partnerschaftlich unsere Länder zusammenarbeiten – über alle Gräben der Geschichte hinweg.

Im vergangenen Jahr haben wir sehr erfolgreich hier in Berlin die Ausstellung "Russen und Deutsche – 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur" gezeigt, eine Kooperation zwischen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Staatlichen Historischen Museum in Moskau.

In diesem Jahr folgt in St. Petersburg die Ausstellung "Bronzezeit – Europa ohne Grenzen", wiederum mit maßgeblicher Beteiligung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Mein damaliger Amtskollege Alexander Awdejew und ich haben 2010 die Kooperationsvereinbarung für diese große Schau unterzeichnet.

Alle diese Projekte zeigen, dass die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern und Museumsfachleuten aus unseren Ländern ein wichtiger Schlüssel ist, um Trennendes zwischen unseren Völkern zu überwinden.

Die Zusammenarbeit hier beim Deutsch-Russischen Museum leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Donnerstag, 25. April 2013

Seitenübersicht

Beiträge