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Rede von Kulturstaatsministers Bernd Neumann anlässlich der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises 2011

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Donnerstag, 24. November 2011
Ort:
HFF Potsdam

In seiner Rede zur Verleihung der LOLAs für den Deutschen Kurzfilmpreis ging Kulturstaatsminister Bernd Neumann unter anderem auf die Themen Filmförderung und Dokumentarfilm im öffentlich-rechtlichen Programm ein. Außerdem kündigte er an, dass dem Experimentalfilm künftig eine eigene Kategorie im Rahmen des Deutschen Kurzfilmpreises gewidmet wird.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich begrüße Sie recht herzlich in der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam zur Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises. Bereits zum vierten Mal ist Ihre Hochschule, lieber Herr Professor Wiedemann, Gastgeber für den Preis. Diese Gastfreundschaft zeigt, wie sehr Ihnen die gesamte Breite des Filmschaffens am Herzen liegt, insbesondere aber der Kurzfilm – dafür tausend Dank!

Die älteste und größte Filmhochschule Deutschlands hat in den mittlerweile 16 Jahren unter der kreativen Leitung von Dieter Wiedemann eine beeindruckende Entwicklung genommen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die HFF zur ersten Filmuniversität Deutschlands wird. Sollte die HFF tatsächlich Filmuniversität werden, was ich ihr wünsche, dann wird das eine zusätzliche Krönung Ihres erfolgreichen Berufslebens sein, lieber Herr Wiedemann!

Die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ hat in den letzten Jahren durch ihre herausragenden Ausbildungsangebote am filmwirtschaftlich bedeutsamen Standort Potsdam-Babelsberg einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass der deutsche Film national wie auch international eine so erfolgreiche Entwicklung genommen hat. Ich spreche Ihnen meine Anerkennung für Ihre Verdienste als Hochschulleiter aus – was Sie hier vollbracht haben, darf man mit Fug und Recht eine Lebensleistung nennen!

Meine Damen und Herren,
heute Abend werden die besten Kurzfilme der Produktionsjahre 2010 und 2011 mit Preisgeldern von insgesamt 230.000 Euro ausgezeichnet –
Filme von Studierenden, aber auch in erheblichem Umfang von unabhängigen Produzenten. Damit wird deutlich, dass der Deutsche Kurzfilmpreis nicht ausschließlich auf den studentischen Nachwuchs fokussiert ist. Er erfasst die gesamte Bandbreite aller Filmschaffenden.

Wie Sie heute Abend sehen werden, reichen die Themen der ausgewählten Filme von der Persiflage über das Filmemachen, der Auseinandersetzung mit traumatischen Ereignissen bis hin zu beeindruckenden und ergreifenden Dokumentationen.

Ziel muss es sein, möglichst viele Kurzfilme ins Kino zu bringen. Deshalb wäre es wünschenswert, wenn sich noch mehr Kinobetreiber an der „Deutschen Kurzfilmpreis Kinotournee“ beteiligten, bei der alle nominierten Filme und der Gewinner des Sonderpreises gezeigt werden!

Beim Abspiel von Kurzfilmen im Kino haben wir bereits Steigerungen zu verzeichnen, denn seit 2009 können Kinobetreiber eine Förderung erhalten, wenn sie in ihrem Filmtheater einen Kurzfilm als Vorfilm aufführen. Wurden im ersten Jahr der Förderung 73 Projekte mit rd. 82.000 Euro auf den Weg gebracht, sind es in diesem Jahr bereits 93 Projekte mit einer Fördersumme von rd. 115.000 Euro.

Ich freue mich, dass mit unserer Maßnahme ein Beitrag dazu geleistet wird, den Kurzfilm wieder dorthin zu bringen, wo er eigentlich hingehört, nämlich ins Kino!

Meine Damen und Herren,
wie in jedem Jahr sind in der Kategorie Dokumentarfilm zwei Produktionen nominiert. Gerade dieses Filmgenre ist besonders eindrucksvoll, und doch muss seine zu geringe Ausstrahlung – vor allem in
Fernsehprogrammen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – deutliche Kritik auslösen. Vor zwei Wochen sind die Verhandlungen der AG DOK mit der ARD über einen Rahmenvertrag gescheitert, der die Position der Produzenten von Dokumentarfilmen verbessern sollte.

Ich finde das sehr enttäuschend, denn es geht hier um eine wichtige Säule des öffentlich-rechtlichen Rundfunks! Die Tendenz ist ja schon lange zu erkennen, dass die Sender Dokumentarfilme ins Abseits, also auf unattraktive Sendeplätze um Mitternacht oder in Spartenkanäle verbannen. Das ist inakzeptabel!

Ich appelliere besonders an die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, dem künstlerischen Dokumentarfilm wieder mehr Aufmerksamkeit und vor allem Unterstützung zukommen zu lassen!

 

Meine Damen und Herren,
mit der Novelle des Filmförderungsgesetzes im Jahr 2009 wurde eine Erleichterung der Förderbedingungen für Filme mit Audiodeskription für Sehbehinderte und ausführlicher Untertitelung für hörbehinderte Menschen eingeführt. Ich habe jedoch den Eindruck, dass diese Neuregelung bislang nicht zum angestrebten Effekt geführt hat, nämlich einer nennenswerten Zunahme an barrierefreien Filmen.

Deshalb habe ich die Filmförderungsanstalt gebeten, zu prüfen, ob bereits jetzt – vor einer Novellierung – die Möglichkeit besteht, die Herstellung einer barrierefreien Fassung als Förderbedingung in die FFA-Richtlinien aufzunehmen. Auch die deutsche Filmindustrie kann natürlich einen wichtigen Beitrag für die soziale und kulturelle Integration der in unserem Land wachsenden Zahl seh- und hörbehinderter Menschen leisten!

Die Bundesregierung hat sich jedenfalls im Rahmen der nunmehr bevorstehenden Novelle des Filmförderungsgesetzes das Ziel gesetzt, eine Regelung zu finden, die den Bedürfnissen von seh- und hörgeschädigten Kinobesuchern besser gerecht wird – und zwar mit zählbaren Ergebnissen!

Meine Damen und Herren,
bevor wir die Lolas verleihen, möchte ich noch eine für den Kurzfilm sicherlich erfreuliche Mitteilung machen.

Seit 2002 verleihen wir den Kurzfilmpreis in verschiedenen Kategorien, die unter anderem den Animationsfilm umfassen. Damals gab es immer wieder den Wunsch, den Experimentalfilm gleichberechtigt zu würdigen. 2006 wurde darum diese Kategorie in Animations- und Experimentalfilm umbenannt und es gab zwar zwei Nominierungen, aber nur einen Preis – entweder für einen Animations- oder einen Experimentalfilm.

Ganz aktuell hat sich die AG Kurzfilm erneut mit der dringlichen Bitte an mich gewandt, doch jeweils eigenständige Nominierungen und Lolas für den Animationsfilm und den Experimentalfilm auszuloben.

Ich finde die Argumentation, die die AG Kurzfilm, aber auch die Filmbranche, die Kurzfilmpreisjury und nicht zuletzt Sie, lieber Herr Professor Wiedermann, vorgebracht haben, wirklich nachvollziehbar.

Beide Filmgattungen sind für den deutschen Film von großer Relevanz, auch was die internationale Wertschätzung anbetrifft, und sind in der Tat eigenständige Genres. Darum werden wir ab dem kommenden Jahr getrennt für den Experimentalfilm sowie den Animationsfilm je zwei Filme nominieren und auch jeweils eine Lola vergeben – das macht Bedeutung des Kurzfilms für das Filmschaffen und die Kultur in Deutschland einmal mehr deutlich!

Meine Damen und Herren,
die beiden Jurys haben auch in diesem Jahr wieder in tagelanger Arbeit ganz hervorragende Produktionen ausgewählt – vielen herzlichen Dank! Meine Rede möchte ich nicht schließen, ohne auch ein herzliches Dankeschön an alle, die zum Gelingen des heutigen Abends beigetragen haben! Der Deutsche Kurzfilmpreis des kommenden Jahres wird in München verliehen werden. Der Hochschule für Fernsehen und Film München danke ich für die Bereitschaft, ihren im September dieses Jahres eröffneten Neubau für diese Veranstaltung zur Verfügung zu stellen.

Um die Spannung, wer denn nun eine Lola erhält, nicht noch weiter zu steigern, wünsche ich Ihnen einen anregenden und unterhaltsamen Abend.

Donnerstag, 24. November 2011

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