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Rede von Staatsminister Bernd Neumann anlässlich der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2013

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Freitag, 26. April 2013
Ort:
Friedrichstadt-Palast Berlin

"Die Verleihung des Deutschen Filmpreises ist der Höhepunkt des Jahres für den deutschen Kinofilm und seine Kreativen", so Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,
ich begrüße Sie alle herzlich zur 63. Verleihung des Deutschen Filmpreises hier im Friedrichstadt-Palast. Bereits zum vierten Mal können wir hier in diesem traditionsreichen Haus den höchstdotierten Kulturpreis Deutschlands feiern. Die Gestaltung der Zeremonie liegt erstmals in den Händen von Fred Kogel. Wir sind gespannt.

Die Verleihung des Deutschen Filmpreises ist der Höhepunkt des Jahres für den deutschen Kinofilm und seine Kreativen. Er ist eine Veranstaltung der Deutschen Filmakademie mit ihren 1.400 Mitgliedern und damit ein Event der Filmschaffenden.

Auch für die nächsten drei Jahre hat sich Iris Berben bereit erklärt, das Amt der Präsidentin auszuüben – das ist ehrenamtlich, kostet viel Zeit und manchmal auch Nerven. Liebe Iris Berben, wir danken Ihnen von Herzen!!

Die Deutsche Filmakademie feiert im September bereits ihr 10-jähriges Bestehen; die Übertragung der Filmpreisverleihung an die Akademie war eine richtige Entscheidung. Die Einbeziehung von mehr als tausend Filmschaffenden an der Preisverleihung hat das Verfahren nicht nur transparenter und demokratischer, sondern auch lebendiger gemacht; das sage ich mit Überzeugung als langjähriges Mitglied der früheren Jury für den Filmpreis.

Kritik an LOLA-Entscheidungen hat es immer gegeben, das wird so bleiben. Und natürlich kann man Reglements ändern und sollte es auch, wenn es neue Erfahrungswerte gibt. Aber man kann demokratische Verfahren nicht deshalb abschaffen, nur weil einem die Ergebnisse nicht passen!!

Meine Damen und Herren,
dass deutsche Filmemacher nicht nur im eigenen Lande anerkannt werden, sondern auch international hohes Ansehen und große Erfolge haben, wird durch unseren Ehrengast dokumentiert. Lieber Werner Herzog, es ist für uns eine Ehre, dass Sie heute hier im Friedrichstadt-Palast sind – herzlich Willkommen!!

Meine Damen und Herren,
ich habe in meinen zurückliegenden fast acht Amtsjahren als Kulturstaatsminister dafür gekämpft, die Rahmenbedingungen für den Kinofilm in Deutschland zu verbessern. Dazu gehört die Einführung des Deutschen Filmförderfonds. Er war erfolgreich; deshalb wird er auch in Zukunft fortgesetzt. Wir haben ihn in diesem Jahr sogar von 60 auf 70 Millionen Euro erhöht!!

Manchmal wird die Frage gestellt, ob der Staat nicht zu viel für die Kinofilmförderung ausgibt. Meine Antwort lautet: Nein! Kinos mit Kinofilmen – und dabei mit möglichst starkem Anteil deutscher Produktionen – gehören zur Grundausstattung unserer Kulturlandschaft – ebenso wie die Theater – wir wollen und müssen sie erhalten!

Beide kommen aber ohne öffentliche Förderung nicht aus. Man kann die Situation der Theater zwar nicht direkt mit der von Kinos vergleichen. Aber immerhin: Für die 140 öffentlich geförderten Theater in Deutschland, mit insgesamt ca. 21 Millionen Besuchern, werden jährlich etwa 2,7 Milliarden Euro ausgegeben.

Das hört sich zwar viel an, aber für manche öffentliche Theater kaum zum Überleben. Für die rund 1.700 Kinos und ca. 135 Millionen Besuchern stehen rund 250 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln zur Verfügung. Also, die Kinofilmförderung hat bei der Kulturförderung nur einen kleinen, wie ich finde angemessenen und vertretbaren Anteil.

Lassen Sie mich nun auf etwas zu sprechen kommen, was man wohl im doppelten Sinne als “Rei[t]z-Thema“ bezeichnen kann. Wir haben Gott sei Dank einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der auch für den deutschen Kinofilm Leistungen erbringt, dass erkenne ich an.

Ich nenne hier Frau Intendantin Carola Wille für die ARD wie auch Herrn Peter Weber für das ZDF, bei denen man für das Anliegen des deutschen Films zumindest ein offenes Ohr findet. Aber, liebe Freunde von ARD und ZDF, mit der Nutzung des deutschen Kinofilms in Ihrem Programm leisten Sie keinen mildtätigen, barmherzigen Beitrag.

Zur Grundversorgungpflicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dessen Finanzierung sich mittlerweile kein Bürger oder Unternehmen in Deutschland entziehen kann, gehört ohne Zweifel die Kultur, und zwar Kultur im Programm nicht als eine Art “Sahnehäubchen“ für die Nachtstunden, sondern als Hefe im Teig. Und zur Kultur gehört der Kinofilm – ohne wenn und aber!!

Ich habe großes Verständnis für die heute verfasste Resolution der Deutschen Filmakademie, der Produzentenallianz und weiteren zehn Verbänden, die ihre Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen äußern und entsprechende Forderungen artikulieren. Sie stoßen auf Sympathie in der Politik und sollten ernst genommen werden.

Deren zentrale Forderung wird von mir uneingeschränkt unterstützt: Ein klares Bekenntnis der Sender zum deutschen Kinofilm, und zwar nicht nur verbal, sondern durch angemessene Programmplätze. Denn Merke: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben keinen Quotenauftrag, sondern primär eine Grundversorgungspflicht, bei der Information und Kultur Schwerpunkte sein müssen.

Meine Damen und Herren,
beim Marktanteil deutscher Filme in den Kinos gibt es – wie beim Wein – gute und schlechte Jahrgänge. Heute gibt es eine schöne Botschaft. Der Start im ersten Quartal 2013 ist phantastisch.
Ein Drittel aller Kinobesucher in unserem Land hat sich für einen deutschen Film entschieden, also für Filme, die ein breites Spektrum abdecken, von der internationalen Großproduktion “Cloud Atlas“ bis hin zum Debütfilm “Oh Boy“.

Gerade vor dem Hintergrund dieses starken Interesses am deutschen Film freue ich mich besonders, dass heute Abend zum ersten Mal seit acht Jahren auch wieder ein Publikumspreis verliehen wird. Abschließend möchte ich Ihnen, Herr Bellut, danken, dass die Gala zum Deutschen Filmpreis heute im ZDF ausgestrahlt wird. Das sollte auch in Zukunft im Wechsel zwischen ARD und ZDF selbstverständlich sein.

Allen Gewinnern des heutigen Abends sage ich schon jetzt: Herzlichen Glückwunsch. Ihnen allen wünsche ich einen schönen und unterhaltsamen Abend!

Montag, 29. April 2013

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