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Rede von Staatsminister Bernd Neumann anlässlich der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises 2012

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Montag, 29. Oktober 2012
Ort:
Hochschule für Fernsehen und Film München

"30 Kurzfilme aus Deutschland wurden in den letzten 15 Jahren für die Oscars nominiert, 10 erhielten einen Studenten-Oscar, 3 den großen Oscar in der Kategorie Kurzspielfilm oder Animationsfilm: Eine traumhafte Quote und nicht zuletzt auch ein Beweis für die hohe Qualität unserer Filmhochschulen!", so Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Rede.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

ich komme in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in das wunderbare neue Gebäude der Hochschule für Fernsehen und Film in München am Bernd Eichinger-Platz. Das erste Mal war ich im Februar dieses Jahres hier, als wir mit „50 Jahre Oberhausener Manifest“ die Revolutionäre des deutschen Nachkriegsfilms hochleben ließen – und heute feiern wir mit dem Deutschen Kurzfilmpreis die Avantgarde von heute!

In München gibt es gerade für eine Kurzfilmpreisverleihung kaum einen angemesseneren Ort als die Filmhochschule – mitten im Zentrum von Studenten, die ja die meisten Kurzfilme kreieren. Sie, lieber Herr Fuchs, zeigen sich als hervorragender Gastgeber – dafür danken wir Ihnen herzlich!

Der Kurzfilm legt seit Jahren besondere Ehre für den deutschen Film ein! 30 Kurzfilme aus Deutschland wurden in den letzten 15 Jahren für die Oscars nominiert, 10 erhielten einen Studenten-Oscar, 3 den großen Oscar in der Kategorie Kurzspielfilm oder Animationsfilm: Eine traumhafte Quote und nicht zuletzt auch ein Beweis für die hohe Qualität unserer Filmhochschulen!

In diesem Jahr wurden bei der Verleihung des Studenten-Oscars die Filme „Die Schaukel des Sargmachers“ mit Bronze und der Film „Von Hunden und Pferden“ mit Silber ausgezeichnet. Die Tatsache, dass wir Letzterem im vergangenen Jahr den Deutschen Kurzfilmpreis in Gold verliehen haben, spricht unbedingt für das gute Gespür unserer Jury!

Sie hatte in diesem Jahr wahrlich Schwerstarbeit zu leisten! Nicht weniger als 305 Filme waren zu sichten und zu bewerten – ein Fünftel mehr als jemals zuvor! Die Jurys haben sich erneut mit viel Engagement und Verantwortungsbewusstsein ihrer Aufgabe gewidmet! Mein Dank gilt stellvertretend den beiden Vorsitzenden, Frau Gramatke und Frau Lindenkamp.

Zu dieser wahren Flut eingereichter Filme hat auch die Teilung der bisherigen Kategorie „Animations- und Experimentalfilm“ beigetragen. Denn ab diesem Jahr erhalten sowohl Animationsfilme als auch Experimentalfilme – getrennt – jeweils zwei Nominierungen mit je einem Filmpreis in Gold.

Wir haben deshalb das Preisgeld für den Deutschen Kurzfilmpreis um 45.000 Euro auf insgesamt 275.000 Euro aufgestockt. Am Rande bemerkt: Ich halte es nach wie vor für einen richtigen Weg, bei Preisverleihungen künstlerische Leistungen nicht nur auszuzeichnen, sondern zusätzlich mit einer Prämie zu versehen. Auch, wenn einige Kritiker das derzeit am Deutschen Filmpreis bemängeln.

Die Kritik würde ja im übertragenen Sinne auch die Kurzfilmpreisverleihung treffen. Die Prämien sind ja nicht für den privaten Verbrauch gedacht, sondern sie sind an die Herstellung eines neuen Films oder seine Projektvorbereitung gebunden.

Preisgelder sind also Fördergelder, sie sind im wahrsten Sinne eine gute Investition in die Zukunft – und wo wäre das zutreffender als beim Deutschen Kurzfilmpreis, der ein Türöffner und Beginn von internationalen Karrieren sein kann.

Es ist ein ganz besonders positives Signal, dass die Jury des Deutschen Kurzfilmpreises in diesem Jahr erstmals einen Kinderfilm nominiert hat. Wir brauchen in Deutschland mehr phantasiereiche Kinderfilme, die auf Originalstoffen basieren und nicht nur eine Marketingmaschinerie bedienen! Hier sollten insbesondere auch ARD und ZDF ihren öffentlich-rechtlichen Auftrag ernst nehmen. À propos Marketing: Der Kurzfilm braucht es – und die AG Kurzfilm leistet es.

Seit nunmehr 10 Jahren setzt sie sich verdienstvoll und erfolgreich im In- und Ausland für den Kurzfilm ein, und dabei unterstützt der Bund sie seit langem, ab 2013 eine Erhöhung um 20 Prozent! Auch der kurze Film ist für die große Leinwand gemacht, und darum sollte er im Kino zu sehen sein.

Die von der AG Kurzfilm organisierte Tournee der Preisträger des Deutschen Kurzfilmpreises ist ein Highlight für Filmliebhaber. Sie sorgt für mehr Öffentlichkeit, wird begeistert aufgenommen und ist somit auch eine gute Förderungsmaßnahme.

Eine tolle Idee der AG Kurzfilm ist es zudem, in diesem Jahr am 21. Dezember – dem kürzesten Tag des Jahres – den ersten deutschlandweiten Kurzfilmtag auszurufen. Ich wünsche dieser Aktion viel Erfolg und hoffe, dass der Kurzfilmtag zu einer festen Größe im deutschen Kulturkalender wird, wie er es heute schon im Filmland Frankreich ist.

Ich möchte die Länderförderer und vor allem auch die Kinobetreiber dazu aufrufen, sich weiterhin für das wunderbare Genre Kurzfilm stark zu machen! Zukünftig will auch die Filmförderungsanstalt ihre Zuschüsse an Kinos von bis zu 1.500 Euro auf bis zu 2.000 Euro erhöhen, wenn sie dem Kurzfilm einen Platz als Vorfilm einräumen. Bereits in den letzten beiden Jahren wurden jeweils etwa 100 solcher Förderungen an Kinos vergeben. Das lässt sich aus meiner Sicht aber noch steigern!

Meine Rede möchte ich nicht schließen, ohne mich bei allen dienstbaren Geistern der HFF München zu bedanken, die zum Gelingen des heutigen Abends beigetragen haben. Stellvertretend für alle Beteiligten bei Jette Mehlberg, die sich mit unermüdlichem Engagement dieser Aufgabe gewidmet hat.

In die Zukunft gerichtet, danke ich schon jetzt der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, die sich bereit erklärt hat, den Deutschen Kurzfilmpreis im nächsten Jahr auszurichten.
Nun wünsche ich einen spannenden und fröhlichen Abend!

Montag, 29. Oktober 2012

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