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Montag, 22. Februar 2010

Rösler: Gesundheit als Jobmotor

von:
Philipp Rösler
Quelle:
in "Financial Times Deutschland"

Der Gesundheitssektor ist schon heute der größte Arbeitgeber des Landes – mit steigender Tendenz. Das  rechnet Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler in einem Beitrag für die Financial Times Deutschland vor. Mit mehr Wettbewerb will Rösler das System fairer und effektiver machen.

Das Thema Gesundheit begleitet uns ein Leben lang. Deshalb ist eine gute medizinische Versorgung auch so wichtig. In Deutschland haben wir ein Gesundheitswesen, um das uns fast alle Länder der Welt beneiden. Das ist gut so. Als Bundesgesundheitsminister bin ich angetreten, das vorhandene hohe Niveau für die Zukunft zu sichern. Dazu dienen die Reformen, 'die von der Bundesregierung derzeit auf den Weg gebracht werden. Der wettbewerbliche Ansatz, den ich als liberaler Minister dabei verfolge, wird ein System ermöglichen, das fairer ist und in dem jeder Euro zielgerichteter ausgegeben wird, als das heute der Fall ist. Das wird allen zugutekommen - den Patientinnen und Patienten genauso wie den über 80 Millionen Versicherten und den weit über vier Millionen Beschäftigten.

Denn das Thema Gesundheit hat noch einen anderen Aspekt, dem leider oft zu wenig Beachtung geschenkt Wird. Dabei lohnt es sich durchaus, sich näher damit zu beschäftigen: Der Gesundheitssektor ist schon heute der größte Arbeitgeber des Landes und spielt auch für Binnenkonjunktur und Volkswirtschaft eine herausragende Rolle. Hier findet die gering qualifizierte Kraft genauso Beschäftigung wie hoch qualifizierte Spezialisten. Damit nicht genug. Die gute Nachricht ist: Der Gesundheitssektor kann bei entsprechender Ausrichtung alle Voraussetzungen dafür bieten, in Zukunft einer der zugkräftigsten Jobmotoren Deutschlands zu werden - zum doppelten Nutzen für die Menschen in Deutschland. Für die, die Hilfe brauchen. Und für die, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Der Blick auf die Fakten macht die Bedeutung bewusst: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland beliefen sich im Jahr 2007 auf rund 253 Mrd. €. Darin enthalten sind sowohl Leistungen, die von den Krankenversicherungssystemen getragen wurden, als auch die Leistungen, die die Menschen zusätzlich für ihre Gesundheit aufgewendet haben.

Auch die Fakten der Beschäftigungsstatistik sprechen für sich. Insgesamt arbeiteten im Jahr 2007 rund 4,4 Millionen Menschen im Gesundheitswesen. Das entspricht elf Prozent aller Beschäftigten. Nicht weniger beeindruckend ist, dass die Zahl der Beschäftigten kräftig zugenommen hat, nämlich zwischen 1999 und 2007 um rund 265 000 oder umgerechnet 6,5 Prozent. Auch in wirtschaftlich nicht immer einfachen

Zeiten hat der Gesundheitssektor seine arbeitsmarktpolitische Robustheit damit unter Beweis gestellt. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der gesamten' Erwerbstätigen übrigens nur um rund 3,4 Prozent.

Der Jobmotor Gesundheit läuft also selbst in der Krise rund. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums prognostiziert der Gesundheitswirtschaft steigende Beschäftigungszahlen. Im Jahr 2030 werden über 20 Prozent der Erwerbstätigen, und damit jeder Fünfte, in der Gesundheitswirtschaft arbeiten. Der Grund für diese Entwicklung liegt zum einen darin, dass die Menschen in unserer Gesellschaft älter werden und damit die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen steigt. Zum anderen kann diese Arbeit nur von Kräften vor Ort geleistet werden. Autos können auch im Ausland produziert werden, Gesundheitsleistungen für die Menschen in den meisten Fällen nicht. Das beweist, Arbeitsplätze in der Gesundheitsbranche sind krisenfest und standortgebunden.

Die Gesundheitsbranche ist aber auch ein wichtiger Exportfaktor für Deutschland. Unser hohes medizintechnisches und pharmazeutisches Niveau bringt zahlreiche Innovationen hervor, die im Ausland begehrt sind. Auch hier bieten die deutschen Unternehmen Technologie auf Spitzenniveau. Eben typisch „Made in Germany". Hier gibt es noch viele Chancen. Wirtschaft und Politik sollten noch stärker als bisher für diese hochwertigen Produkte und Dienstleistungen im Ausland werben.

Aber auch der Gesundheitssektor hat noch einige Aufgaben zu bewältigen. Um im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen attraktive Arbeitsplätze mit qualifiziertem Personal zu besetzen, muss beispielsweise die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser geregelt werden. Im Bundesgesundheitsministerium halten wir die Frage für so wichtig, dass wir dazu für den Bereich Ärzte und Pflegekräfte in Krankenhäusern eine eigene Arbeitsgruppe gebildet haben.

Wenn all das erfüllt ist, dann wird die Gesundheitswirtschaft weiterwachsen. Erwirtschaften die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft bereits heute rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts, werden es im Jahr 2030 einer Hochrechnung zufolge bereits 13 Prozent sein. So wird sich das Gesundheitswesen auf der Basis des demografischen Wandels und des steigenden Gesundheitsbewusstseins auch in Zukunft als sicherer Jobmotor erweisen. Gesundheit darf nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden, sondern kann im Gegenteil einen wichtigen Beitrag leisten für Wachstum und Beschäftigung.

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