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Mittwoch, 25. November 2009

Umwelt

Scheitern ist keine Alternative

Interview mit:
Norbert Röttgen
Quelle:
in "Bild"

"In Kopenhagen müssen die Würfel fallen", mahnt Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Im Interview mit der Bild-Zeitung warnt er vor den anderenfalls drohenden Folgen: Bei fortschreitender Erderwärmung drohten massive Flüchtlingsströme von Menschen auf der Suche nach neuen Lebensräumen.

Das Interview im Wortlaut:

Bild: Herr Röttgen, ist die Zeit mit billigem Strom, Gas und Sprit vorbei?

Norbert Röttgen: Noch ist Strom aus Wind, Wasser und Sonne teurer. Aber die Preise werden rasch sinken. Und wenn wir weiter nur auf Erdgas, Kohle und Erdöl setzen würden, wäre die Energieversorgung bald unbezahlbar, denn diese fossilen Energiequellen werden immer knapper. Vor allem sind die erneuerbaren Energien aber umweltschonender.

Bild: In wenigen Tagen beginnt der Klimagipfel von Kopenhagen. Fachleute rechnen mit einem Misserfolg. Sie auch?

Röttgen: Nein. Wir müssen alles tun, um die Erwärmung der Erde auf 2 Grad Celsius zu begrenzen. Wenn uns das nicht gelingt, wird früher oder später für Hunderte von Millionen Menschen Wasser und Weideland fehlen. Dann wird es riesige Flüchtlingsströme geben, die über die Welt fliehen, um zu überleben. Wir brauchen ganz konkrete Entscheidungen und verbindliche Ziele, auch für die USA und China. In Kopenhagen müssen die Würfel fallen. Wir können uns ein Scheitern nicht leisten.

Bild: Die Koalition will Atomkraftwerke länger laufen lassen. Macht das Strom billiger?

Röttgen: Es wäre unredlich, Billigenergie zu versprechen. Wenn wir die Laufzeiten verlängern, dann auch, um einen wesentlichen Teil der Sondergewinne in erneuerbare Energiequellen zu investieren. Außerdem werden wir das Thema Energieeffizienz weiter vorantreiben. Der beste Weg, kurzfristig die Stromrechnung zu reduzieren, ist, zu einem billigeren Anbieter zu wechseln und im Alltag sparsam zu sein.

Bild: Kann man den Atomausstieg zurücknehmen?

Röttgen: Nein. Kernenergie kann man auf Dauer nur nutzen, wenn eine Mehrheit der Menschen sie akzeptiert. Das ist seit Jahrzehnten nicht der Fall, und daran wird sich nach meiner Einschätzung auch nichts mehr ändern.

Bild: Was macht ein CDU-Umweltminister anders als einer von SPD oder Grünen?

Röttgen: Man sollte zunächst betonen, was alle gemeinsam haben: Umweltpolitik wurde von einem Schattendasein ins Zentrum der Politik gerückt! Das ist ein Verdienst von allen, die dieses Amt bislang geführt haben. Ich möchte in meiner Amtszeit besonders betonen, dass der Schutz der Umwelt nicht Verzicht oder einen Opfergang bedeuten, sondern mehr Lebensqualität bringt und unseren Wohlstand sichert. Wir können durch ökologische Modernisierung weltweit Marktführer werden. Umweltschutz muss für die Wirtschaft heißen: mehr Jobs und mehr Umsatz und nicht mehr Kosten.

Das Interview führten Angi Baldauf und Andreas Thewalt

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