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Integrationsbeauftragte

Dienstag, 29. November 2011

Pressemitteilung:
439
Ausgabejahr:
2011

Staatsministerin Maria Böhmer: „Die Kraftanstrengung für bessere Ausbildungschancen von Migranten muss intensiviert werden“ - Ausbildungskonferenz „angePacKT. Integration durch Ausbildung“

Staatsministerin Maria Böhmer hat gefordert, die Anstrengungen für eine Chancengleichheit von jungen Migranten beim Einstieg ins Berufsleben zu verstärken.

„Die Förderung von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien hat oberste Priorität: Für den Zusammenhalt in unserem Land ist es entscheidend, dass junge Migranten auf dem Ausbildungsmarkt nicht das Nachsehen haben. Die Botschaft der heutigen Ausbildungskonferenz lautet: Wir müssen intensiver als bisher alle Kräfte bündeln, damit mehr junge Migranten mit einer Ausbildung eine erfolgreiche Perspektive in Deutschland bekommen“, betonte Staatsministerin Böhmer heute in Berlin zu Beginn der Konferenz „angePacKT. Integration durch Ausbildung“. Vereinbart wurde die Tagung im Ausbildungspakt von Politik und Wirtschaft. Seit dem vergangenen Jahr ist hierbei die Förderung von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien neue Schwerpunktsetzung. Als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und Vollmitglied des Paktes hatte Böhmer zugesagt, bis 2014 mehrere Eltern- und Ausbildungskonferenzen durchzuführen.

„Ich bin sicher: Die heutige Konferenz gibt der Offensive für bessere Ausbildungschancen von Migranten einen kräftigen Schwung. Die Mitglieder des Paktes ziehen an einem Strang. Das Engagement für junge Migranten ist ein doppelter Gewinn: Neben dem einzelnen Jugendlichen profitieren die Unternehmen. Sie sichern sich gerade angesichts des demografischen Wandels ihre Fachkräfte von morgen“, so Böhmer. „Umso wichtiger ist es, die Potenziale der jungen Migranten zu heben und ihre Ausbildungsreife zu verbessern. Ansporn liefert die jüngste PISA-Studie: Danach erreichen Migranten zunehmend mittlere und höhere Schulabschlüsse. Nach wie vor ist ihr Anteil an den Jugendlichen ohne Schulabschluss (18- bis 24-Jährige) jedoch doppelt so hoch (4,4 Prozent) wie bei jenen ohne Migrationshintergrund (2,3 Prozent). Ebenfalls doppelt so hoch ist immer noch der Anteil der 25- bis 35-Jährigen aus Zuwandererfamilien (31,6 Prozent), die keinen Berufs- oder Hoschulabschluss haben“, erklärte Böhmer. „Unverzichtbar halte ich bei der Unterstützung von jungen Migranten die frühe Sprachförderung von Anfang an, die verstärkte individuelle Förderung in den Schulen, eine intensivere Elternarbeit sowie eine stärkere Vernetzung aller Akteure, die junge Migranten bei der Berufsorientierung begleiten“, betonte die Staatsministerin.

„Um eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu haben, ist ein guter Schulabschluss für Jugendliche aus Zuwandererfamilien die wichtigste Voraussetzung“, so Dr. Bernd Althusmann, Niedersächsischer Kultusminister und Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK). „Im Rahmen des Ausbildungspaktes hat sich die KMK für mehr Bildung und Ausbildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgesprochen. Die Qualifizierungsinitiative der KMK zielt auf die Erhöhung ihres Leistungsstandes, auf eine Halbierung des Anteils der Schulabbrecher und auf eine verbesserte frühe Sprachförderung.“ Gleichzeitig müssten die Schulen als Orte der Integration weiter gestärkt werden.

Gaby Schäfer, Staatssekretärin beim Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport des Saarlandes und Integrationsbeauftragte der Landesregierung, fordert ebenfalls den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft: „Eine umfassende und langfristig verwertbare Berufsausbildung ist für die Berufs- und Lebenschancen junger Menschen und damit auch für ihre Chancen auf gesellschaftliche Integration von herausragender Bedeutung. Für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt ist Bildung – in Form einer qualifizierten Schulausbildung und einer beruflichen Erstausbildung – der entscheidende Schlüssel. Es ist auch unsere Aufgabe, dafür die nötigen Bedingungen zu schaffen und Sorge dafür zu tragen, dass niemand in unserer Gesellschaft ‚abgehängt‘ wird. Jeder Schüler, der nach dem Abschluss der Schule trotz vieler Bewerbungen keinen Ausbildungsplatz findet, ist ein potenzieller arbeitsloser Mensch zu viel. Die Bereitschaft, jungen Menschen eine qualifizierte und zukunftsorientierte Ausbildung zu ermöglichen, bedeutet: Perspektiven an der Schwelle zu einem neuen Lebensabschnitt zu eröffnen. Dieses Ziel sollte die Handlungsgrundlage für alle politisch Verantwortlichen bilden. An der Schwelle zwischen Schule und Beruf sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam gefordert, den Jugendlichen Lebenschancen durch eine gute berufliche Ausbildung zu geben.“

Um die Chancen Jugendlicher mit Migrationshintergrund auf eine berufliche Karriere zu erhöhen, ist auch die interkulturelle Öffnung auf Seiten der Arbeitgeber in die Breite zu tragen.

Dr. Gerhard F. Braun, Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): „Mitarbeiter mit interkulturellen Kompetenzen werden für die Wirtschaft immer wichtiger. Unternehmen und Verbände engagieren sich mit vielen Angeboten, um Jugendliche mit Migrationshintergrund besser in Ausbildung zu integrieren. Wie wichtig uns das Thema ist, zeigt auch der aktuelle Schwerpunkt des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT ‚Migration. Qualifikation.Integration’. Wir richten einen besonderen Blick auf die Berufsorientierung junger Migranten und beziehen deren Eltern ein. Es werden aber auch Betriebe angesprochen, um die Potenziale der Jugendlichen stärker bei der Ausbildung zu berücksichtigen.“

Ein gutes Beispiel für Netzwerkarbeit, stellvertretend für andere, liefert das CGIL-Bildungswerk e. V. mit seinem Projekt „JUMINA – Junge Menschen in Ausbildung“. Dieses unterstützt Offenbacher Schüler beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Franco Marincola, geschäftsführender Vorsitzender der Einrichtung, weiß, dass Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund und deren Eltern in dieser Phase am besten mit zielgruppenspezifischen Angeboten begleitet werden können. „Zum Beispiel organisieren wir in den Schulen, bei Bedarf auch mehrsprachig, Elterninformationsveranstaltungen, an denen sich Eltern und ihre Kinder gemeinsam über Ausbildungs- und Unterstützungsmöglichkeiten informieren können. An diesen Veranstaltungen beteiligen sich auch die Lehrkräfte, die regionalen Ausbildungsbetriebe, die Kammern und Arbeitsagentur. Denn nur durch die Vernetzung und die aktive Zusammenarbeit all dieser Akteure ist ein erfolgreicher Übergang in einen Ausbildungsberuf realisierbar.“

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