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Wirtschaftliche Entwicklung

Strom verbessert das Leben in Badakhshan

Elektrisches Licht brennt heller als Kerosinlampen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. So verbessert Strom die Lebensbedingungen für viele Menschen in Afghanistan. 

Strom für das gesamte Dorf: Die Menschen in dem kleinen Ort Woring im Distrikt Yaftal in der Provinz Badakhshan warten gespannt darauf, dass der Transformator angeschaltet wird. Bild vergrößern Der Anschluss des Dorfes an das Stromnetz wird gefeiert. Foto: Integration Consulting Group / Gerd Schober

Oktober 2011 in der Provinz Badakhshan im Nordosten Afghanistans. Als der Transformator angeschaltet wurde und die Lichter in der Ortschaft Woring angingen, veranstalteten die Bewohner ein großes Fest. Ihre Freude war groß, denn der Strom wird ihr Leben leichter und angenehmer machen. So ist das elektrische Licht heller als das aus den Kerosinfunzeln. So können sie auch abends zu Hause etwas arbeiten. Außerdem werden die Augen und Atemwege nicht mehr durch den Rauch belastet.

Finanzielle Belastung sinkt

Für umgerechnet zwei bis drei Euro im Monat steht den 280 Haushalten nun rund um die Uhr Strom zur Verfügung. Sie können Radio hören, fernsehen, Wasserboiler, Kühlschränke oder andere Haushaltsgeräte nutzen. Die meisten Haushalte sparen durch den Stromanschluss sogar Geld. Als sie noch Kerosin, Diesel oder Brennholz nutzten, gaben sie etwa zehn Prozent mehr für Energie aus.

Eine zwölf Kilometer lange Hochspannungsleitung verbindet ihren Ort mit der Kleinwasserkraftanlage in der nahe gelegenen Stadt Nalan. Die Anlage hat eine Leistung von 125 Kilowatt. Sie versorgt 710 Haushalte mit 7.500 Menschen, die Verwaltung des Distriktes Yaftal und 60 Geschäfte mit Strom.

Viele Menschen in Woring haben beim Bau des Anschlusses mitgearbeitet. So hatten sie über mehrere Wochen ein zusätzliches Einkommen. Die eigene Leistung macht sie stolz. Sie schätzen das neue Angebot und sind bereit, dafür regelmäßig ihre Gebühren zu zahlen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert den Bau von Kleinwasserkraftanlagen. Mit dieser finanziellen Hilfe haben seit 2010 allein im Distrikt Yaftal 20.000 Menschen einen Stromanschluss bekommen. Ein zweites Kleinwasserkraftwerk in dem Distrikt versorgt 13.000 Menschen in elf Gemeinden und den Markt Bazaar Irtifaq. Dieser Ort wurde mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusätzlich mit einer neuen Straße erschlossen.

Strom für das gesamte Dorf: Die Menschen in dem kleinen Ort Woring im Distrikt Yaftal in der Provinz Badakhshan warten gespannt darauf, dass der Transformator angeschaltet wird. Bild vergrößern Große Freude bei den Einwohnern - endlich haben sie Strom. Foto: Integration Consulting Group / Gerd Schober

In Bazaar Irtifaq sind 150 Geschäfte und Kleinbetriebe angesiedelt. Dank der günstigen Bedingungen kommen laufend weitere Handwerker und Händler hinzu. Überall, wo Strom verfügbar ist, verbessern sich die Lebensbedingungen und die Möglichkeiten, wirtschaftlich aktiv zu werden. Ein Schreiner erzählt: "Ich kann heute viel schneller und exakter arbeiten, weil ich Maschinen einsetze. Um ein Kantholz zu hobeln, brauche ich nicht einmal eine Minute. Vorher habe ich diese Arbeit mit der Hand gemacht, das dauerte zehn Minuten."

Weitere Kraftwerke sind geplant

In der gesamten Provinz Badakhshan leben eine Million Einwohner. Dort hat die GIZ im Auftrag des BMZ sechs Kleinwasserkraftanlagen mit einer Gesamtkapazität von über einem Megawatt gebaut. Davon profitieren 60.000 Menschen. Da der Bedarf groß ist, unterstützt Deutschland das für ländliche Elektrifizierung zuständige Ministerium Afghanistans und die Provinzregierungen im Norden des Landes bei der Planung neuer Kraftwerksstandorte. Die GIZ schult im Auftrag des BMZ außerdem Techniker, hilft bei der Entwicklung von Stromtarifen und organisiert Kurse für die Bevölkerung, damit sie den sicheren Umgang mit Strom und Elektrogeräten lernen. Für Geräte und elektrotechnische Verfahren müssen neue, landesweit gültige Standards geschaffen werden – eine weitere Herausforderung für die nächsten Jahre.

Montag, 19. Dezember 2011

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