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Gesundheit

Weg für Reform des Arzneimittelmarkts frei

In den Arzneimittelmarkt kommt mehr Transparenz – zum Vorteil der Patienten. Künftig müssen Pharmahersteller erstmals den Nutzen neuer, patentgeschützter Arzneien wissenschaftlich nachweisen. Bundestag und Bundesrat beschlossen eine Neuordnung zum 1. Januar 2011.

Tabletten Preisexplosion bei Medikamenten stoppen Foto: BilderBox

Der Nutzen ist schnell zu bewerten – innerhalb von drei Monaten. Stellt sich dabei heraus, dass ein Mittel keinen Zusatznutzen gegenüber herkömmlichen Präparaten hat, darf es auch nicht teurer sein als diese.

Dies bedeutet eine Zäsur, die die Arzneimittelversorgung in Deutschland substanziell verbessern wird. Pharmafirmen verlieren so den Anreiz, Scheininnovationen auf den Markt zu bringen.

Mit dem Gesetz werde der Pharmaindustrie ein Sparbeitrag abverlangt, deren Preismonopol gebrochen und dennoch der Zugang zu bestmöglichen Medikamenten gesichert, sagte Gesundheitsminister Philipp Rösler in der Schlussdebatte des Bundestags. "Alle diese drei Ziele sind zu 100 Prozent erreicht worden."

Krankenkassen verhandeln über Preise

Sofern der Zusatznutzen nachgewiesen ist, müssen die pharmazeutischen Unternehmen einen Erstattungsbetrag mit dem Spitzenverband der Krankenkassen aushandeln. Dieser Betrag gilt auch für die private Krankenversicherung sowie für die Beihilfe. Jährliche Einsparungen in Höhe von zwei Milliarden Euro sind dabei zu erwarten.

Vorteile für Ärzte und Patienten

Die Pflicht, klinische Prüfungen zu veröffentlichen, dient dem Interesse der Ärztinnen und Ärzte sowie der Patientinnen und Patienten. Alle sollen nähere Einzelheiten über Eigenschaften und Nutzen der Medikamente erfahren können.

Hinzu kommt, dass sich Rabattverträge – vor allem für wirkstoffgleiche Präparate (Generika) – künftig stärker an den Bedürfnissen der Versicherten orientieren. So können Versicherte auf Wunsch ein anderes als das Rabatt-Präparat gegen Zahlung des Aufpreises auswählen.

Handlungsbedarf bestand, weil die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2009 um 5,3 Prozent beziehungsweise um 1,5 Milliarden Euro gestiegen waren. Den Kostenzuwachs verursachten Arzneimittel ohne Festbetrag (2009 plus 9 Prozent), während die GKV-Umsätze mit Festbetragsarzneimitteln sogar um 2 Prozent sanken. Kostentreiber sind Spezialpräparate mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten. Ihr Anteil am Arzneimittelumsatz der GKV erreicht bereits rund 26 Prozent, obwohl ihr Verordnungsteil nur 2,5 Prozent beträgt.

Freitag, 17. Dezember 2010

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