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Bericht

Zahl der Arbeitsunfälle so niedrig wie nie

In Deutschland hat die Zahl der schweren und tödlichen Arbeitsunfälle den niedrigsten Stand seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland erreicht. 974.642 Arbeitsunfälle wurden 2009 registriert. Die Zahl der Berufskrankheiten steigt allerdings.

Mitarbeiter einer Tischlerei sägt Holz Zahl der Unfälle am Arbeitsplatz sinkt Foto: BMU / transit / Härtrich

Das geht aus dem Bericht der Bundesregierung über Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2009 hervor. Das Bundeskabinett hat den Bericht heute verabschiedet.

Die Bundesregierung  hat dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat alljährlich bis zum 31. Dezember einen Bericht über den Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und über das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen zu erstatten. Alle vier Jahre hat der Bericht einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, ihre Kosten und die Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu enthalten.

Insgesamt sank die Zahl der Arbeitsunfälle 2009 gegenüber dem Vorjahr um 8,4 Prozent. Mit 26 meldepflichtigen Arbeitsunfällen je 1.000 Vollarbeitern lag die Zahl absolut erstmals unter einer Million im Jahr.  

Weniger Tote durch Arbeits- und Wegeunfälle


Deutlich weniger Menschen kamen zwischen 2006 und 2009 während der Arbeit ums Leben: Insgesamt starben im letzten Jahr 622 Menschen an den Folgen eines Arbeitsunfalls. Zum Vergleich: 2006 kamen 941 Menschen zu Tode. Im Vergleich zur ersten Hälfte der neunziger Jahre ist damit ein Rückgang der tödlich verlaufenen Arbeitsunfälle um etwa zwei Drittel zu verzeichnen.
 
Dagegen stieg die Zahl der meldepflichtigen Unfälle zur und von der Arbeit. So wurden 2009 insgesamt 181.232 Wegeunfälle registriert, rund 1,1 Prozent mehr als 2008. Auf den Berichtszeitraum 2006 bis 2009 bezogen ist aber insgesamt ein Rückgang gegenüber 2006 von 6,6 Prozent zu verzeichnen. 

Schulweg sicherer geworden

Die Schüler-Unfallversicherung registrierte zwischen 2006 bis 2009 einen Rückgang der Unfälle, die sich in Kindertagesstätten, Schulen und Bildungsstätten und auf dem Weg dorthin ereigneten, von 1.404.595 auf 1.366.086 (- 2,7 Prozent). Die Schülerunfälle setzen sich zusammen aus 1.250.552 Unfällen in der Schule (91,5 Prozent) und 115.534 Schulwegeunfällen (8,5 Prozent). Die Zahl der tödlichen Schülerunfälle sank von 65 in 2006 auf 59 im vergangenen Jahr.

Arbeits- und Wegeunfälle sind meldepflichtig, wenn sie zu einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder zum Tode führen. In der Schüler-Unfallversicherung sind Unfälle meldepflichtig, wenn der Versicherte ärztlich behandelt werden muss oder durch den Unfall zu Tode kommt.

Mehr Todesfälle wegen Berufskrankheit

2009 starben 2.803 Versicherte an einer Berufskrankheit, 373 mehr als 2008 (+ 15,3 Prozent). Hauptursache waren anorganische Stoffe, insbesondere Staub aus Asbest. Die Zahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit lag 2009 mit 70.100 etwa zehn Prozent höher als 2008. Die Hauterkrankungen stellten mit 19.709 Verdachtsfällen (28,1 Prozent) wie in den Vorjahren den Hauptanteil. Danach kamen die Lärmschwerhörigkeit mit 11.302 Fällen (16,1 Prozent) und die bandscheibenbedingten Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten. Weitere 5.516 Fälle waren langjährigen Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung geschuldet.

In 16.657 Fällen wurde eine Berufskrankheit anerkannt. Dies entspricht einer Zunahme von 3.111 Fällen im Vergleich zum Jahr 2008 (+ 23 Prozent ). Die Ursachen für den Anstieg liegen vor allem in der 2009 erfolgten Erweiterung der Liste der Berufskrankheiten. 

Liste der Berufskrankheiten erweitert

Die Liste der Berufskrankheiten wurde 2009 an neue Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft angepasst und um folgende Berufskrankheiten erweitert:

  • Erkrankungen des Blutes, des blutbildenden und des lymphatischen Systems durch Benzol 
  • Gonarthrose durch eine Tätigkeit im Knien oder vergleichbare Kniebelastung 
  • Lungenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
  • Lungenkrebs durch das Zusammenwirken von Asbestfaserstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen
  • Lungenfibrose durch extreme und langjährige Einwirkungen von Schweißrauchen und Schweißgasen („Siderofibrose“).

2009 erhielten 6.781 Versicherte erstmals eine Rente wegen einer Berufskrankheit. Im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutet dies eine Zunahme um 2.293 Fälle (+ 51,1 Prozent).

Aufwendungen der gesetzlichen Unfallversicherung

Die Gesamtaufwendungen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger beliefen sich 2009 auf 13,2 Milliarden Euro, ein leichter Rückgang um 0,4 Prozent gegenüber 2008. Rund 973 Millionen Euro davon entfielen auf Prävention und Erste Hilfe. Im gesamten Berichtszeitraum haben diese Ausgaben um insgesamt fast zwölf Prozent zugenommen. Das entspricht 103,2 Millionen Euro.

Die Aufwendungen für Renten an Versicherte und Hinterbliebene betrugen 2009 rund 5,6 Milliarden Euro, gut zwei Prozent mehr gegenüber 2008.

Verlässlicher Arbeits- und Gesundheitsschutz

Effizienter Arbeitsschutz und Unfallvermeidung sind in einer immer schnelleren und anspruchsvolleren Arbeitswelt elementar. Ziel ist es deshalb, die Beschäftigten vor Gefahren und gesundheitlichen Schädigungen zu schützen. Verlässliche gesetzliche Grundlagen und für alle Unternehmen gemeinsam gültige Regelungen sind dafür unerlässlich. Wichtige Initiativen in diesem Zusammenhang sind die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) und die Gemeinschaftsinitiative Neue Qualität der Arbeit (INQA):

  • Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie - GDA

Zur Stärkung der Sicherheit und der Gesundheit am Arbeitsplatz haben sich Bund, Länder und Unfallversicherungsträger zusammengeschlossen und eine bundesweit geltende gemeinsame Arbeitsschutzstrategie - GDA entwickelt. Mit der GDA sollen Anreize für die Betriebe erzeugt werden, auf allen Ebenen des betrieblichen Gesundheits- und Arbeitsschutzes eine langfristige und vor allem nachhaltig angelegte Präventionspolitik zu betreiben. 

  • Gemeinschaftsinitiative Neue Qualität der Arbeit – INQA

Darin haben sich Bund, Länder, Sozialversicherungsträger, Arbeitgeber und Gewerkschaften, Stiftungen und eine Vielzahl von Unternehmen zusammengeschlossen. Alle arbeiten gemeinsam an praktischen Lösungsvorschlägen für eine sichere, gesunde und wettbewerbsfähige Arbeitswelt. Arbeitsunfälle zu vermeiden und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten zu verbessern, ist Ziel von INQA.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

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