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Energiebotschafter

Zauberwort "Kontinuierlich Heizen"

Heizungsexperte Günter Wolter nutzt gern einen Vergleich: Fährt man mit dem Auto immer Vollgas und mit hohem Tempo, wird sehr viel Sprit verbraucht. Das sei bei der Heizung nicht anders. Läuft sie immer nur auf Hochtouren, verbraucht sie entsprechend viel Energie.

Günter Wolter, Sachverständiger für Heizungsanlagen Der Heizungssachverständige Günter Wolter erklärt den hydraulischen Abgleich Foto: Hamburger Klimawoche / Odile Hain

"Warum gehen wir mit unserer Heizung nicht genau so um wie mit unserem Auto?" Das fragt sich der Energieexperte aus Hamburg immer wieder. Jedem sei klar: "Mit dem Auto erreichen wir unser Ziel auch dann, wenn wir gleichmäßig und mit angemessener Geschwindigkeit fahren. Am Ende haben wir aber Kraftstoff und Geld gespart."

Kurzfristig könnten deutschlandweit mehr als 15 Prozent an Heizenergie eingespart werden, ist sich der Sachverständige sicher. Voraussetzung seien neue Heizungsventile, effiziente Pumpen und kontinuierliches Heizen.

Vollgas für die Heizbremse

Günter Wolter selbst scheint allerdings ständig Vollgas zu geben. Nicht mit dem Gaspedal, sondern mit Worten und seinem Einsatz für ein energiesparendes Heizen. Im Raum Hamburg ist der Diplomingenieur als Sachverständiger für Installateur- und Heizungsbau unterwegs. Dabei betreut er seine Kunden über ein gesamtes Projekt hinweg. Für ihn ist es wichtig, nicht nur Ansprechpartner für den Kunden zu sein, sondern auch für alle Bewohner eines Gebäudes, dessen Heizsystem verbessert werden soll.

Er hat sie nicht gezählt, die vielen Anlagen, die er schon überprüft hat. Meistens konnte er mit nur kleinen Korrekturen spürbare Verbesserungen erreichen. Damit die Heizung gut funktioniert, sei ein hydraulischer Abgleich - wie es fachmännisch heißt - besonders wichtig.

Was passiert beim hydraulischen Abgleich?

Werden Räume ungleichmäßig warm? Rauscht es in den Heizkörpern? Dann sollte man über eine effiziente, aber bislang sträflich behandelte wenig bekannte Maßnahme nachdenken: den hydraulischen Abgleich.

Beim hydraulischen Abgleich geht es darum, die Heizungsanlage optimal einzustellen, so dass alle Heizkörper oder Heizstränge gut bedient werden. Die Wärme soll immer und an dem Ort, an dem sie gebraucht wird in einer ausreichenden, aber nicht zu großen Menge zur Verfügung stehen.

Der Energiefachmann wird nicht müde, immer wieder die Funktion des Abgleichs und die Einspareffekte zu erklären. "Es muss noch viel mehr darüber informiert werden“, fordert er, „das könnte große Effekte bringen."

Eine Aktion wie die jetzt gestartete bundesweite Energieeffizienz-Kampagne „Meine Heizung kann mehr“ der Klimaschutzinitiative und des Bundesumweltministeriums, das wünschte er sich schon lange. Aus seiner Sicht gehört das Thema auch in die Schule.

Mit der Wärme geizen

Der hydraulische Abgleich ist jedoch nur der erste Schritt. „Wichtig sind richtiges Heizen und Lüften. Gekippte Fenster sorgen kaum für frische Luft, kühlen aber die Wände aus. Besser ist es, für Durchzug zu sorgen. Dies geschieht durch Querlüften, das heißt: Öffnen von gegenüberliegenden Fenstern,“ weiß Wolter.

Noch wichtiger als das Lüften ist die kontinuierliche und ausreichende Beheizung der Räume, damit die Wandflächen nicht zu stark auskühlen und keine Feuchtigkeit aus der Raumluft an den kalten Wandflächen kondensiert.

Sein eigenes Haus betreibt der Heizungsfachmann mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen von 35-50 Grad Celsius. Das Haus wird ausschließlich über Heizkörper beheizt. Der Trick ist die Einstellung der Thermostatköpfe. Diese hat er in allen Räumen auf Stufe 5 eingestellt. Nur in den Räumen die etwas kälter sein sollen, werden die Thermostatköpfe etwas geschlossen (Stufe 3-4).

Somit werden alle Räume kontinuierlich und gleichmäßig mit wenig Vorlauftemperatur beheizt. Das funktioniert aber nur, weil alle Heizkörper ein voreinstellbares Heizkörperventil besitzen und die Heizung mit einer elektronischen richtig dimensionierten Heizungspumpe ausgerüstet wurde.

Information und Forschung

Mit seinen Ideen und Erfahrungen treibt es den Energieexperten in verschiedenen Gremien um. Er arbeitet zum Beispiel ehrenamtlich im Prüfungsausschuss für Sachverständige und hält Vorträge zum Thema hydraulischer Abgleich und Heizungsanlagenoptimierung durch Langzeitmessung. So gab er beispielsweise sein Wissen auf den Kieler Energietagen und beim Führungskräfteforum für Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern weiter. 

Sein neuestes Projekt führt ihn an die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.  Dort möchte er untersuchen, wie man mit minimalem Mess- und Prüfaufwand eine maximale Heizungsoptimierung erreichen kann. Auch dabei geht es wieder um den hydraulischen Abgleich, um Einsparpotentiale und Nutzerverhalten.

Freitag, 11. Januar 2013

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