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Dienstag, 11. September 2012

Namensbeitrag

Zukunft durch Forschungsförderung

von:
Annette Schavan
Quelle:
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Bundesregierung setzt auf Forschung, die die drängendsten gesellschaftlichen und globalen Themen aufgreift und damit möglichst vielen Menschen nutzt. Das betont Bundesbildungsministerin Annette Schavan in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Noch ist die neue Therapie gegen Herzschwäche Zukunftsmusik. Dennoch hat vor einigen Wochen ein großes Pharmaunternehmen 100 Millionen Euro in den Kauf des bayerischen Biotech-Unternehmens Corimmun investiert. Corimmun hat ein Molekül entwickelt, das den Betroffenen helfen könnte - und wurde dabei mit insgesamt 5 Millionen Euro aus dem Bundesforschungsministerium gefördert. Davon profitieren viele: Patienten können auf ein neues Herzmedikament hoffen. Die Steuerzahler in Deutschland verdienen am Verkauf. Sieger ist auch der Forschungsstandort Deutschland. Die Gründer und Forscher von Corimmun selbst arbeiten schon am nächsten Arzneimittel.

Das Beispiel zeigt, was mit dem schlichten Satz gemeint ist: Der größte Teil der Wertschöpfung in Deutschland beruht auf forschungsintensiven Produkten und Dienstleistungen. Die unabhängige wissenschaftliche Expertenkommission Forschung und Innovation und der Sachverständigenrat bestätigen: Es wäre ökonomisch kurzsichtig, sich als Politik darauf zurückzuziehen, dass der Markt allein es schon richten wird. Mit Investitionen in Forschung und Entwicklung wollen Unternehmen mit gutem Recht Geld verdienen; sie schaffen aber auch hohe Werte für die Volkswirtschaft und die ganze Gesellschaft, was nur zum Teil in ihre betriebswirtschaftliche Rechnung eingehen kann.

Ohne öffentliche Unterstützung für die Grundlagenforschung wie für die angewandte Forschung und Entwicklung würde in unserem Land zu wenig in neue Produkte und Dienstleistungen investiert. Und mit jeder technischen Entwicklung, die gerade kleinere und mittlere Unternehmen verpassen, büßt Deutschland ein Stück Wettbewerbsfähigkeit ein. Umgekehrt gilt: Kluge und gezielte staatliche Förderung kann Anstöße geben, einen Schub auslösen, Innovationsvorsprünge sichern. Sie hat eine große Hebelwirkung. Die Expertenkommission kommt zu dem klaren Schluss: „Befürchtungen, dass Unternehmen eigene Mittel durch öffentliche Förderung lediglich substituieren, konnten entkräftet werden."

Ob es um Therapien für Herzkranke, innovative Nanomaterialien oder energiesparende OLED-Leuchten geht: Deutschland ist vorne mit dabei, die Konkurrenz 'schläft aber nicht. In dieser Konkurrenzsituation ist es wichtig, vorhandene Kompetenzen zu bündeln. Deshalb schaffen wir Anreize für Kooperationen: zwischen großen, kleinen und mittleren Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, zwischen alten und neuen Bundesländern, zwischen Inund Ausland. So entsteht unter den Beteiligten eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die über die Zeit der Förderung hinauswirkt.

Unsere Förderprogramme - vom Spitzenclusterwettbewerb bis zum aktuellen Zwanzig2O-Programm für die ostdeutschen Länder - zielen darauf, dass die Besten ihres Fachs nicht für sich allein forschen, sondern ihr Wissen gemeinsam nutzen. So bringen wir Partner zusammen, die zusammen gehören, möglicherweise aber nicht ohne weiteres zueinander gefunden hätten. Besonders kleine und mittlere Betriebe profitieren dabei von der Zusammenarbeit mit größeren Unternehmen. Viele mit Hilfe staatlicher Forschungsförderung gewonnene Erkenntnisse sind zudem für alle zugänglich und stehen damit der Allgemeinheit zur Verfügung. So helfen sie anderen Forschern, die daraus wiederum neue Erkenntnisse gewinnen. Die Bundesregierung setzt auf Forschung, die die drängendsten gesellschaftlichen und globalen Themen aufgreift und damit möglichst vielen Menschen zugutekommt. Deshalb haben wir die Hightech-Strategie entwickelt, die sich auf fünf Schwerpunkte konzentriert: Gesundheit/Ernährung, Klima/Energie, Mobilität, Sicherheit und Kommunikation. Der Staat investiert seine Mittel also vorrangig für das, was auch im internationalen Maßstab wichtig ist.

Staatliche Forschungsförderung muss strategisch denken, indem sie die zentralen Innovationsthemen identifiziert und voranbringt. Sie muss auf Kooperation zielen und ihren Blick auf die gesamte Forschungslandschaft, also das große Ganze, richten. Schließlich muss Forschungsförderung verlässlich sein. Unser Ziel, drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung zu stecken, haben wir fast erreicht. Zwischen 2005 und 2012 hat die Bundesregierung die Mittel für Forschung und Innovation von 9 auf 13,8 Milliarden Euro erhöht. Obwohl nur 20 Prozent dieser staatlichen Forschungsförderung an Unternehmen fließen, vor allem an kleinere und mittlere, hat auch die Wirtschaft deutlich zugelegt. Sie investierte 2010 insgesamt 46,9 Milliarden Euro - gegenüber 38,7 Milliarden fünf Jahre vorher. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Forschung und Entwicklung um 15 Prozent gestiegen - auf 550 000 besonders zukunftsfähige Jobs.

Wir wissen, dass Innovation einen langen Atem und Investitionen auf hohem Niveau braucht. Während andere Länder ihre Etats kürzen, hat die Bundesregierung Wort gehalten und in dieser Legislaturperiode 12 Milliarden Euro mehr in Bildung und Forschung investiert als zuvor. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist Deutschland in allen internationalen Vergleichsstudien zum Thema Innovation der Sprung in die Spitzengruppe gelungen. Innovation schafft Wachstum, dieses wiederum schafft Arbeitsplätze von morgen und sichert die Zukunftschancen junger Menschen. Dieser Gedanke prägt die Forschungspolitik dieser Bundesregierung und wird sie weiter leiten.

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