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Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich der Verleihung des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung

Redner:
Bernd Neumann
Gehalten:
Montag, 30. August 2010
Ort:
Bremer Theater am Goetheplatz

In seiner Rede im Bremer Theater am Goetheplatz würdigte Bernd Neumann den Preisträger Weser Kurier und ging auf die Themen Lokaljournalismus, Printmedien, ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Druckerzeugnisse und Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen ein.

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Anrede,

im Namen der Bundesregierung gratuliere ich sehr herzlich allen Preisträgern zur Verleihung des Deutschen Lokaljournalistenpreises der Konrad Adenauer-Stiftung – der bedeutendsten Auszeichnung für Regionalzeitungen im deutschsprachigen Raum. Sie werden verstehen, dass ich mich als Bremer über den ersten Preis für den Weser Kurier besonders freue. Wenn ich mich so umschaue, bin ich wohl als jemand, der seit 1970 in der bremischen Politik aktiv mitwirkt, derjenige, der den Weser Kurier am längsten politisch begleitet hat und von ihm begleitet wurde.

Die zurückliegenden Jahrzehnte waren nicht immer konfliktfrei, was das Verhältnis meiner Partei zum Weser Kurier angeht. Umso besser kann ich die erstaunliche Entwicklung, die der Weser Kurier bis hin zur heutigen Verleihung des Preises der Konrad Adenauer-Stiftung genommen hat, würdigen. Als Bundespolitiker möchte ich besonders darauf hinweisen, dass nicht nur die lokale Berichterstattung Anerkennung verdient, sondern dass diese große Tageszeitung mit ihrer politischen Berichterstattung zunehmend auch überregional bis hin nach Berlin wahrgenommen und zitiert wird. Dazu möchte ich der Redaktion unter Lars Haider und dem Vorstand der Bremer Tageszeitungen AG, Ulrich Hackmack, gesondert gratulieren. Und es ist mit Sicherheit auch ein Verdienst des Weser Kuriers, dass nach Umfragen die Bremer zu den eifrigsten Zeitungslesern in Deutschland gehören!

Meine Damen und Herren,
der Zuspruch, den Lokalzeitungen genießen, zeigt, dass es für die Menschen gerade im Zeitalter des weltweiten Netzes bei weitem nicht nur auf die „große Welt“ ankommt. Im Gegenteil: Lokale Verankerung, Sicherheit, Überschaubarkeit und vor allem der Kontakt zum ganz realen Leben sind wichtiger denn je.
Lokalzeitungen sind sozusagen ein Anker in der Informationsflut des digitalen Zeitalters. Ich danke der Konrad Adenauer-Stiftung dafür, dass sie mit dem Lokaljournalistenpreis ein deutliches Signal dafür gibt, dass gerade die Lokalzeitung immer noch das Basismedium unseres demokratischen Gemeinwesens ist. Die Lokalzeitung gehört gleichsam zum Inventar ihrer Region und ist ein Stück Heimat, ein Teil der Identität.


Regionale Verwurzelung heißt aber nicht Provinzialität, im Gegenteil: Das Große des Weltgeschehens mit dem Kleinen der überschaubaren Nachbarschaft  zu verbinden ist das Kunststück, das die Lokalzeitungen jeden Tag aufs Neue vollbringen. Regionalzeitungen sind Garanten der Vielfalt unserer Presselandschaft. Aber nur Qualität kann sich auf Dauer behaupten. Mit dieser Preisverleihung stärkt die Konrad Adenauer-Stiftung den Qualitätsjournalismus.

Meine Damen und Herren,
Printmedien sind nach wie vor ein wesentlicher Teil unserer Medienlandschaft – und werden es auch in Zukunft bleiben. Ich halte nichts davon, den Printbereich gegen die digitalen Medien auszuspielen. Die historische Entwicklung der Medien hat immer wieder gezeigt, dass neue Angebote vorhandene zwar zunächst durchaus bedrängen, aber letztlich doch nie verdrängen konnten.
Der Wettbewerb führte stets zu einer Ausdifferenzierung der etablierten Angebote und schließlich zur friedlichen Koexistenz von neuen und alten Medien, die sich allerdings in diesem Prozess auch wandeln und modernisieren mussten. Die Zeitungen befinden sich heute mitten in diesem Prozess, und sie müssen ihn aktiv gestalten, wollen sie nicht zum Verlierer werden. Modernisierung heißt zum Beispiel, neue Geschäfts- und Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die geeignet sind, Internet und Printmedien miteinander zu versöhnen, Die Verknüpfung gerade lokaler Printmedien mit internetgestützten Dienstleistungsangeboten hat sich durchaus bewährt!

Meine Damen und Herren,
es gibt aber auch Traditionen, die wir möglichst nicht antasten sollten. Ich meine damit den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Druckerzeugnisse. Er sichert die Konkurrenzfähigkeit und die kulturelle Vielfalt. Für die Bundesregierung darf ich sagen: Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7% für Zeitungen bleibt erhalten! Zeitungen und Zeitschriften müssen für jedermann erschwinglich sein.
Lassen Sie mich eine zweite Aussage, die für die wirtschaftliche Entwicklung der Zeitungen essentiell ist, machen: Gegen die zunehmende Tendenz der Europäischen Union, Bürgern und Wirtschaft immer neue Werbeverbote verordnen zu wollen, hat die Bundesregierung der Großen Koalition in ihrem letzten Medien- und Kommunikationsbericht ein kategorisches „Nein!“ gesetzt! Und dabei bleibt es auch in Zukunft.

Meine Damen und Herren,
es ist eine schlichte Tatsache: ohne junge Leserinnen und Leser haben gedruckte Zeitungen und Zeitschriften keine Zukunft. Wenn die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen zunehmend ins Internet abwandert, ist es ein Gebot der Stunde, sie wieder für Zeitungen und Zeitschriften zu begeistern. Deshalb haben wir gemeinsam mit den Verleger-, Journalisten- und Grossoverbänden sowie anderen Institutionen im Jahre 2008 die „Nationale Initiative Printmedien – Zeitungen und Zeitschriften in der Demokratie“ (NIP) ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, in Schulen und Bildungseinrichtungen die Lesebereitschaft und -förderung im Hinblick auf Zeitungen weiter zu verbessern und zusätzliche Projekte durchzuführen.

Ich freue mich, dass heute auch der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Herr Paul-Josef Raue, anwesend ist, ein wichtiger Kooperationspartner unserer Nationalen Initiative Printmedien und Mitglied der Jury für unseren aktuellen Schülerwettbewerb. Diese Initiative braucht die tatkräftige Unterstützung weiterer Zeitungen und Verlage, denn es geht um die Zeitungsleser von Morgen und damit um die Existenz der Zeitung überhaupt. An dieser Stelle darf ich noch einmal den Weser Kurier ausdrücklich loben, der eine regelmäßige Beilage von Schülern gestalten lässt und damit einen wichtigen Beitrag zur Zeitungsbindung leistet.

Ich gratuliere noch einmal allen Preisträgern, die ein eindrucksvolles Zeugnis der hervorragenden Leistungen des deutschen Lokaljournalismus abgeben.

Montag, 30. August 2010

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