Navigation und Service

Inhalt

Porträt

Roland Jahn stellt sich vor

Im März 2011 endet die Amtszeit von Marianne Birthler, Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde.  Als Nachfolger hat die Bundesregierung den Journalisten und DDR-Oppositionellen Roland Jahn vorgeschlagen. Gewählt wird der neue Bundesbeauftragte Ende Januar vom Deutschen Bundestag.

Der "Kontraste"-Redakteur beim rbb, Roland Jahn, vor der Eröffnung der Open-Air-Ausstellung 'Friedliche Revolution 1989/90' auf dem Alexanderplatz in Berlin. Roland Jahn Foto: picture-alliance/ dpa

Am 30. November hat die Bundesregierung Roland Jahn offiziell als neuen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen-Behörde vorgeschlagen. Zurzeit stellt sich Jahn allen Fraktionen vor. Ende Januar wird dann der Deutsche Bundestag über seine Berufung entscheiden. Die zweite Amtszeit der bisherigen Leiterin der Behörde Marianne Birthler endet am 14. März 2011.

Widerstand gegen die SED-Diktatur

Roland Jahn, 1952 in Jena geboren, kennt das Unrechtssystem in der DDR aus eigener Erfahrung. Seine regimekritische Haltung führte schließlich zu seiner Verhaftung und 1983 zu seiner Ausbürgerung aus der DDR.

Widerstand gegen die SED-Diktatur regt sich in Jahn schon früh. Der Militärdienst, den Jahn bei der Kasernierten Bereitschaftspolizei leisten muss, stürzt ihn in tiefe Gewissenskonflikte. Seine Einheit muss für Einsätze bei imaginären Studentenunruhen in Jahns Heimatstadt üben.

1974 beginnt er in seiner Heimatstadt Jena, Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Als er gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert, wird er exmatrikuliert. 1977 arbeitet er zur "Bewährung in der Produktion" als Transportarbeiter beim VEB Carl-Zeiss-Jena.

1981 stirbt sein Freund Matthias Domaschk in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Gera. Jahn schaltet nicht nur eine Traueranzeige, mit der er an verschiedenene Orten auf diesen unaufgeklärten Tod hinweist, sondern organisiert auch eine Berichterstattung im RIAS Berlin.

Verhaftet und ausgebürgert

Vorwand für seine Verhaftung im selben Jahr ist eine Solidaritätsadresse an die verbotene polnische Gewerkschaft Solidarność. Am  1. September 1981 wird Jahn in Untersuchungshaft genommen und später zu 22 Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Nach internationalen Protesten und Berichten in bundesdeutschen Medien kommt er nach sechs Monaten Haft wieder frei.

Im März 1983 gründet Jahn mit anderen Oppositionellen die "Friedensgemeinschaft Jena". Sie tritt für einen sozialen Friedensdienst ein und fordert mit Demonstrationen und weiteren Aktivitäten mehr politische Mitwirkung. Am 8. Juni 1983 wird Jahn aus der DDR ausgebürgert und gewaltsam in den Westen verbracht.

Engagiert für die Aufarbeitung der SED-Diktatur

Dort ist Jahn einer der wichtigsten Unterstützter der DDR-Opposition. Als Journalist beim ARD-Magazin "Kontraste" des Senders Freies Berlin produziert er zahlreiche Beiträge zu Opposition, Menschenrechtsverletzungen und Alltag im SED-Staat der 80er Jahre. Die Friedliche Revolution begleitet er mit Beiträgen zu Demonstrationen, Besetzungen der Stasi-Zentralen und dem Machterhaltungskampf von SED-Funktionären, später widmet er sich immer wieder Themen der Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Jahn ist seit 1996 im Beirat der Robert-Havemann-Gesellschaft und seit 1999 im Fachbeirat der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Berliner Mauer tätig.

Die Behörde der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) verwaltet und erforscht die Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR. Dabei handelt es sich mit rund 111 km Akten, mehr als 1,4 Millionen Fotos sowie zahlreichen Videos und Tonbändern um einen der größten Archivbestände Deutschlands. Aufgabe der Behörde ist es, diese Unterlagen nach den Vorschriften des Stasi-Unterlagen-Gesetzes Privatpersonen, Institutionen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dadurch trägt sie zur historischen, juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur bei. Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wird für fünf Jahre gewählt und kann ein Mal wiedergewählt werden. www.bstu.de

Dienstag, 21. Dezember 2010

Seitenübersicht

Beiträge