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Entwicklungspolitik

Salsa für die Seele

Zwischen Deutschland und Kuba gibt es keine staatliche Entwicklungszusammenarbeit. Doch es besteht nun erstmals seit Jahren die Aussicht, die Beziehungen mit einzelnen Projekten wiederzubeleben. Zudem versuchen Nichtregierungsorganisationen und Privatleute, die Situation der Menschen in Kuba zu verbessern.

Zwei Männer im Gespräch, auf der Haube eines amerikanischen 50er-Jahre-Oldtimers in Havanna In Havanna scheint die Zeit stehen geblieben Foto: picture alliance / Christian Kob

Seine liebste Blume ist eine Rose namens "Esperanza". Das heiße "Hoffnung", erklärt Max Walbroel, Inhaber eines Obst- und Blumenladens in Bonn-Endenich. Hoffnung ist auch etwas, das er nach Havanna bringt. Seit fünf Jahren reist er regelmäßig dorthin.

Der Ur-Bonner Walbroel verkauft seit 50 Jahren Obst, Gemüse, Blumen und auch ein bisschen gute Laune in Bonn-Endenich. Salsa-Musik schallt aus seinem kleinen Laden, vor dem die bunten Blumen die Kundschaft anlocken. Der 70-jährige ist Salsa- und Kuba-Fan. "Die Menschen dort sind einfach total lebensfroh. Obwohl sie nichts haben", schwärmt er. Mit leuchtenden Augen berichtet er von seinen Begegnungen.

Private "Entwicklungshilfe"

Unter dem Künstlernamen "Massimo Habana" stellt er seine Foto-Abzüge aus Havanna zum Verkauf aus. Ein kleines Bild ist schon für einen Euro zu haben. Typische Szenen aus dem Straßenleben von Havanna sind die Motive: Menschen, die frisches Obst verkaufen, Leute, die am Straßenrand sitzen.

Max Walbroel vor seinem Obst- und Blumenladen in Bonn. Bild vergrößern Max Walbroel: Ur-Bonner mit kubanischer Seele Foto: Bundesregierung/Wester

Das Geld, das er mit seinen Fotos verdient, nimmt Walbroel jedes Mal mit nach Havanna. Dort gibt er es Leuten, die es nötig haben. Pro Monat kommen bis zu 50 Euro zusammen. In Havanna berichten ihm seine Freunde immer, wo gerade eine Finanzspritze dringend benötigt wird. "So kommt das Geld auch direkt an", freut sich der hilfsbereite Geschäftsmann. Sogar der ehemalige Bundesminister Norbert Blüm gehört zu den Spendern, den Walbroel zum Beweis natürlich auch abgelichtet hat.

Woher rührt seine Liebe zu Havanna? "In Havanna ist die Zeit stehen geblieben", schwärmt Walbroel. Die Gebäude wie auch die alten Straßenkreuzer erzählen von längst vergangenen Zeiten. Die Salsa-Musik ist allgegenwärtig und die Menschen sind – trotz aller Sorgen – lebensfroh. Etwas von der Lebensfreude nimmt er immer mit nach Endenich: "Wissen Sie, wenn Sie die Menschen in Havanna kennen, dann fällt es Ihnen hier richtig schwer, sich zu beklagen."

Annäherung in der Entwicklungszusammenarbeit

Anfang Juni dieses Jahres war auch Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz aus dem Bundesentwicklungsministerium zum Auftakt seiner Lateinamerika-Reise in Kuba. Es war der erste Besuch dieser Art seit zehn Jahren. Nach Kritik der Europäischen Union an der Menschenrechtssituation in Kuba verzichtete das Land 2003 einseitig auf die Entwicklungszusammenarbeit mit der EU. Die meisten EU-Staaten haben mittlerweile ihre Kooperation mit Kuba wieder aufgenommen.

Beerfeltz sagte im Vorfeld seiner Reise: "Kuba bewegt sich – und bemüht sich um Reformen. Diesen Weg sollte das Land unbedingt zügig und kraftvoll weiterverfolgen." Es gebe nun gute Aussichten, die Beziehung wiederzubeleben - mit einzelnen Projekten in der Entwicklungszusammenarbeit.

Grundsätzlich werde die Bundesregierung weiterhin einen besonderen Schwerpunkt auf Themen wie Menschenrechte und Pressefreiheit legen, sagte Beerfeltz. Fortschritte in diesem Bereich und ebenso im Umgang mit der Zivilgesellschaft seien drängende Herausforderungen.

Zusammenarbeit auf Nichtregierungsebene

Bislang besteht mit Kuba keine staatliche deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Es findet jedoch eine zum Teil sehr enge Zusammenarbeit zwischen deutschen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und ihren kubanischen Partnern statt.

So werden beispielsweise Projekte im Bereich der Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung, des Umweltschutzes, der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelsicherung und des Gesundheitswesens gefördert. Durchführende Organisationen sind unter anderem die Deutsche Welthungerhilfe, der Deutsche Caritas Verband und Brot für die Welt.

Der kubanischen Bevölkerung bleibt die Hoffnung – la Esperanza ...

Dienstag, 23. Juli 2013

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