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Manganknollen

Wertvolle Rohstoffe am Meeresgrund

Kupfer, Nickel, Kobalt und Mangan sind in der Industrie unverzichtbar, etwa in der Elektrotechnik oder Stahlproduktion. Hier ist die deutsche Wirtschaft von Importen abhängig. Wegen der weltweit zunehmenden Nachfrage steigen die Preise für die kostbaren Rohstoffe. Wie lässt sich dieser Engpass beheben?

Das weiß-rote Forschungsschiff "Sonne" auf hoher See Sechs Meter Tiefgang und neun Speziallabore - die "Sonne" ist eine stabile Forschungsplattform für 25 Wissenschaftler und Techniker Foto: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)

Eine Lösung könnte am Meeresgrund liegen. Dort befinden sich immense Vorkommen an Rohstoffen, unter anderem in Form von so genannten "Manganknollen". Doch wie lassen sich die wertvollen Knollen nutzen? Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) geht dieser Frage in einem Forschungsprojekt nach. Und zwar weit weg von Deutschland.

Deutsche Lizenz in der Tiefsee

Die BGR hat für 15 Jahre eine Explorationslizenz für einen Teil der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Hawaii und Mexiko erworben. Hier, auf dem staatsfreien Tiefseeboden, liegt der Manganknollen-Gürtel - eine etwa fünf Millionen Quadratkilometer große Region, die dicht mit Knollen belegt ist. Das deutsche Lizenzgebiet ist 75.000 Quadratkilometer groß und besteht aus zwei Teilen: Das östliche Teilgebiet erstreckt sich 1.700 Kilometer südwestlich der Küste von Mexiko, das westliche rund 2.300 Kilometer südöstlich von Hawaii.

Lizenzgeber der BGR ist die Internationale Meeresbodenbehörde (IMB), die den Manganknollen-Gürtel als "gemeinsames Erbe der Menschheit" verwaltet. Die IMB ist eine internationale Organisation im System der Vereinten Nationen. Die Bundesrepublik ist dort Mitglied und führt in den Jahren 2013 und 2014 den Vorsitz im IMB-Rat.

Eine Explorationslizenz berechtigt dazu, das Lizenzgebiet zu erforschen und neue Technologien zum Abbau von mineralischen Rohstoffen des Tiefseebodens zu erproben. Die Lizenz beinhaltet auch Pflichten: Lizenzinhaber müssen zum Beispiel Daten über die Artenzusammensetzung und Besiedlungsdichte der Bodenfauna sammeln, um eine Wiederbesiedlung nach dem Abbau zu ermöglichen.

Die drei bis acht Zentimeter großen Manganknollen der Clarion-Clipperton-Zone befinden sich in 4.000 bis 6.000 Meter Tiefe. Sie enthalten zu insgesamt drei Prozent die wirtschaftlich interessanten Metalle Nickel, Kupfer und Kobalt. Mangan ist zu etwa 30 Prozent enthalten. Außerdem stecken in den Knollen mehrere Elemente aus der Gruppe der Seltenen Erden. In besonders knollenreichen Regionen gibt es etwa 20 Kilogramm Knollen pro Quadratmeter. Schätzungen gehen davon aus, dass im Manganknollen-Gürtel bis zu 40 Milliarden Tonnen zu finden sind.

Meeresboden und Umweltfolgen erforschen

Ziel der BGR ist es, herauszufinden, wo die reichsten Knollenvorkommen liegen. Ebenso will sie die Beschaffenheit des Meeresbodens erforschen und wie sich der Tiefseebergbau auf die Umwelt auswirken würde.

Auf gecharterten Forschungsschiffen brechen die BGR-Mitarbeiter zu siebenwöchigen Expeditionen auf. Im April und Mai 2013 fand bereits die fünfte Exkursion statt. Mit dabei sind auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven.

Für den östlichen Teil des Lizenzgebiets liegen bereits sehr detaillierte Forschungsergebnisse vor. So wurden dort 14 Areale mit insgesamt 10.000 Quadratkilometern Fläche identifiziert, die sich besonders für den Manganknollen-Abbau eignen. Das berichtet Expeditionsleiter Carsten Rühlemann aus dem Fachbereich Marine Rohstofferkundung der BGR.

Sollte es tatsächlich zu einem Abbau kommen, wäre dieser jedoch Aufgabe der Industrie. Ein Konsortium deutscher mittelständischer und kleiner Fachunternehmen hat im Auftrag der BGR ein mögliches Abbausystem für die Knollengewinnung entworfen.

So umweltschonend wie möglich abbauen

Fest steht: Manganknollen abzubauen würde Auswirkungen auf die Bodenfauna der Tiefsee haben. Der Meeresboden würde zerwühlt und umgelagert, müsste sich danach wieder erholen. Ein Abbau muss so umweltschonend wie möglich vor sich gehen. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung daran mitgewirkt, dass in der Internationalen Meeresbodenbehörde hohe Umweltschutzstandards verankert werden.

Das federführende Bundeswirtschaftsministerium sieht riesige Chancen für deutsche Unternehmen: Mit der Entwicklung umweltverträglicher Abbautechnologien "made in Germany" könnten sie weltweit Standards für einen umweltschonenden Tiefseebergbau setzen. Derzeit wird diskutiert, wie die Entwicklung solcher Technologien gefördert werden kann.

Expeditionsleiter Rühlemann hofft, dass "in Deutschland, wo sehr hohe Umweltstandards gelten, eine Kooperation der zahlreichen kleineren und mittelständischen Unternehmen entsteht. Diese Unternehmen können den Weg für eine umweltverträgliche Gewinnung mariner mineralischer Rohstoffe aus der Tiefsee bereiten und so international Maßstäbe setzen."

Dienstag, 24. September 2013

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