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Afghanistan

Xavier Naidoo bei der Truppe in Mazar-e-Sharif

Fünf Tage, zwei Konzerte und viele ernste Gespräche. Eine extrem intensive Zeit habe er bei den Isaf-Soldaten erlebt, so resümiert der Soulsänger seine Konzerte. Zum Abschluss eines Konzertes widmet er seinen Song "Alles kann besser werden" den Soldaten im Einsatz.

Xavier Naidoo vor Soldaten in Afghanistan auf der Bühne des Feldlagers in Mazar-e-Sharif Xavier Naidoo bei seinem Auftritt in Mazar-e-Sharif Foto: Bundeswehr/PIZ MeS

Die Landschaft, über die Xavier Naidoo gerade fliegt, ist trocken und sandig – er sieht keine Straßen, alles wirkt irgendwie ausgestorben. Wenn er sonst im Flugzeug sitzt, sieht er weite grüne Wiesen, doch dieser Flug ist ein besonderer. Denn der Sänger sitzt im Cockpit einer "Transall" der Luftwaffe. Er ist beeindruckt von der Weite des Hindukusch, von der einmaligen Landschaft. In wenigen Minuten wird er in Mazar-e-Sharif landen. Die Schutzweste liegt schwer auf seinen Schultern, er denkt an die vielen Frauen und Männer, die die 15 Kilogramm schwere Ausrüstung tagtäglich tragen müssen.

Dass Naidoo im Juni 2010 in Kunduz und Mazar-e-Sharif zwei Konzerte gibt, ist das Ergebnis einer Idee, die bereits 2004 geboren wurde. Damals sang er für Soldaten, die in Bosnien eingesetzt waren. Und schon seinerzeit konnte er sich vorstellen, auch in Afghanistan aufzutreten. Aber erst 2009 – als er über Radio Andernach die Isaf-Soldaten grüßte – wurden diese Pläne konkreter.

Nun läuft er mit dem Betreuungsfeldwebel durch das Lager in Kunduz. Einige Soldaten bleiben verdutzt stehen und trauen ihren Augen nicht, wer da plötzlich vor ihnen steht. "Dass so eine Größe aus Deutschland nach Kunduz kommt, ist eine tolle Sache und gibt den Soldaten Motivation und es zeigt ihnen, dass sie nicht vergessen sind", sagt Hauptfeldwebel Marcus G., der Betreuungsfeldwebel. Naidoo nimmt sich immer wieder Zeit für die Soldaten und er lässt sich das Lager zeigen, die Unterkünfte, den Sanitätsbereich, aber auch den Ort, an dem der Gefallenen gedacht wird. Für den Sänger ein sehr bewegender Moment. Doch es sind die Soldaten selbst, die Naidoo beeindrucken und ihm auch eines deutlich machen: "Wenn ein Krieg die Menschen nicht kaputt macht, dann macht er aus ihnen bessere Menschen." Denn wer extremen Bedingungen ausgesetzt sei, genieße jeden Moment und würde auch intensiver leben.

Extreme Bedingungen, die die Soldaten in Kunduz nur zu gut kennen. Die Erlebnisse der schweren Anschläge im April sind noch immer präsent. Die Soldaten haben in dieser Zeit nicht nur Kameraden, sondern auch Freunde verloren. Naidoo ist sich dieser Situation bewusst. "Schon vor den Konzerten habe ich überlegt, welche Songs wir spielen werden, denn einige meiner Lieder sind schon sehr Schmerz erfüllt", betont der Sänger.

Seine erfolgreiche Single "Abschied nehmen" wollte er eigentlich aus dem Programm raushalten. Während des Konzerts in Kunduz schreiben Soldaten aber immer wieder kleine Zettel mit Titelwünschen und auch "Abschied nehmen" gehört dazu. "Natürlich spielen wir dann auch den Song – aber entlang der Zeilen wird einem plötzlich bewusst, wie greifbar dieses Thema für viele im Publikum ist." Auch ein Lied wie "Alle Männer müssen kämpfen" singt Naidoo nur an. Er will diesen Song nicht vollständig singen. Nicht nur, weil es eigentlich die Tragik des Zweiten Weltkrieges aufzeigt, sondern weil ihm ebenfalls bewusst sei, wie viele Frauen mittlerweile ihren Dienst in der Bundeswehr leisten und in den Einsatz gehen.

Am Ende seiner Konzerte spielt der Mannheimer "Alles kann besser werden". Ein Song, den er den Soldaten im Einsatz widmet. Ein Lied, das er nun immer mit seiner Zeit in Afghanistan verbinden wird. "Wir haben während dieser fünf Tage so viel erlebt, so viel gesehen – es war eine extrem intensive Zeit", sagt der 38-Jährige nach seiner Rückkehr. Viele ernste Gespräche hat er mit den Soldaten geführt – und er ist dankbar dafür. "Ich habe gesehen, dass die Jungs da alles im Griff haben. Sie sind ja auch gut ausgebildet", betont der Sänger.

Dass er vor 20 Jahren den Wehrdienst verweigert hat, kann er sich heute gar nicht mehr vorstellen. Die typischen Vorurteile wie "harte Strukturen oder rechtsgefärbte Typen" könne er nun aus seinem Kopf streichen. "Jetzt denke ich, dass die Bundeswehr ein perfektes Spiegelbild von Deutschland ist. Ich habe Soldaten mit italienischen oder muslimischen Namen kennen gelernt, die alle an einem Tisch sitzen. Das zu sehen, war für mich ein tolles Gefühl."

Seine Einstellung zum Isaf-Einsatz hat sich mit dem Besuch jedoch nicht grundlegend verändert. "Jetzt will ich noch mehr, dass die Leute ihr Leben dort nicht verlieren! Denn einige Soldaten kenne ich ja nun persönlich. Es ist für mich unerträglich zu hören, wenn deutsche Soldaten Opfer eines Anschlages in Kunduz geworden sind und ich falle regelrecht auf die Knie, wenn ich dann höre, dass sie nur verwundet worden sind", berichtet Naidoo und richtet sich an die Soldaten im Einsatz: "Jungs und Mädels, kommt gesund und munter nach Hause! Das ist mir wichtiger denn je!"

Quelle: aktuell - Zeitung für die Bundeswehr/Sylvia Jaeck

Montag, 28. Juni 2010

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